Die Schlacht um den Katalysator ist geschlagen. Mit fast zwanzigjähriger Verspätung gegenüber den Vereinigten Staaten und Japan führt die Europäische Gemeinschaft von 1993 an die obligatorische Abgasreinigung für Neuwagen ein. Zwar steht die Norm für Wagen der mittleren Hubraumklasse noch aus, doch dürfte auch sie sich an die in den USA geltenden Grenzwerte anlehnen.

Wenn der Katalysator sich durchgesetzt hat, ist das bestimmt nicht den Politikern zu danken. Fiat-Chef Agnelli half mit seinem Umschwenken auf die Abgasentgiftung der italienischen Regierung und den Brüsseler Kommissaren auf die Sprünge. Vor der entscheidenden Sitzung der Umweltminister schrieb er noch einmal nach Brüssel, um die Zauderer zu ermutigen.

EG-Umweltpolitik ist noch stets eine Art Abfallprodukt: Sie vollzieht nach, was die Industrie bereits anbietet, die unter dem Druck ausländischer Regierungen oder Märkte steht. Damit kann sie den Problemen nicht angemessen sein. Der Katalysator ist das beste Beispiel.

Für die EG ist damit das Soll in Sachen umweltfreundliches Auto erfüllt, während in den USA bereits Wagen mit Filtern gegen das Krebsgift Benzol fahren. Überhaupt nicht abzusehen ist, was die Gemeinschaft gegen den Treibhauseffekt tun will – mit ihren Emissionen von Kohlenwasserstoffen tragen die Autos kräftig zur Aufheizung der Atmosphäre bei, Kat-Pkw genausoviel wie andere.

Der Kat ist also kein Wundermittel, kein Freibrief für den Bleifuß. Den Schutz der Erdatmosphäre sichern weder Katalysatoren noch Tempolimit, sondern letztlich nur der schrittweise Verzicht auf Verbrennungsmotoren – doch wer in der EG traut sich, den Autofahrern diese bittere Wahrheit aufzutischen? Außer der niederländischen Regierung noch niemand. Und mit diesem Vorschlag wird Agnelli sich kaum zu Worte melden. th