Für die 38 sowjetischen und 55 deutschen Philharmoniker im Alter zwischen 20 und 28 Jahren ist die Arbeitsphase ein mörderischer Streß. Wie reagierten wohl "vergewerkschaftete" Institutionen solcher Art hierzulande, wenn ihnen etwa einen Tag vor dem offiziellen Eröffnungskonzert im Leverkusener "Forum" zusätzlich eine Schallplattenaufnahme mit Beethovens Es-dur-Klavierkonzert (Solist: Justus Frantz) sowie der 5. Symphonie von Tschaikowsky zugemutet würde – Teil I von 10 bis 14.30 Uhr, Teil II ab 16.30 Uhr bis spät nachts durchgehend ... Die im Hauruck-Verfahren durchgezogene Platte sollte, als Geschenk jener neuen Gemeinschaft, Michail Gorbatschow in Bonn überreicht werden. Kein Aufbegehren, keinerlei Unlust bei den arg herangenommenen jungen Leuten – bewundernswert.

Die Woche in Leverkusen – ein Akt der Völkerversöhnung: "Es ist wunderbar", sagt Valerie Gergejew, "wie Menschen, deren Vorfahren im letzten Krieg Feinde gewesen sind, sich nun so nahe kommen. Ich liebe Deutschland und habe im Westen, wo ich häufiger dirigiere, vielleicht mehr Freunde als zu Hause. Es ist schon etwas anderes, wenn Deutsche und Russen, deren Länder gerade durch die Musik so eng miteinander verbunden sind, zusammen musizieren – als etwa Amerikaner in deutschen Orchestern. Das hat sich hier gezeigt." Peter Fuhrmann