Chaka Khan: "Life is a Dance – The Remix Project"

Endlich: Disco Musik für Leute, die dieses Genre undifferenziert verabscheuen. Elf bekannte Hits und unbekannte Glanzstücke aus sechzehn Karrierejahren der Rhythm & Rock-Chanteuse haben New Yorker Discjockeys und Rap-Produzenten mit Technotricks wie Rhythmuszugaben zu ellenlangen Tanzstücken umgearbeitet. Die Veteranin mit der Ausdrucksstärke und Geschmeidigkeit einer erstklassigen Jazzsängerin hat sich zwar dagegen gewehrt, daß die Crême ihres Repertoires als Dance-music-Dessert aufgeschäumt wurde. Doch die Soundtüftler lassen Songs und Sängerin Gerechtigkeit widerfahren: Drama und Drive solcher Khan-Klassiker wie ‚Ain’t Nobody", "I’m Every Woman", ‚I Feel for You" blieben erhalten. Nichteingeweihte Tanzfreunde erhalten zu den 76 Minuten urbaner Partymusik ausfüh-liche Erläuterungen. Das ist extrem konsumentenfreundlich verpackte Unterhaltungsware. (Warner Bros. 925 946) Barry Graves

"arcado"

Der Titel der Schallplatte ist zugleich der Name der Band. Aber ist das eine "Band"? Und ist, was wir hören, "noch" Jazz, noch Third Stream oder "schon" etwas ganz anderes? Richtig ist, daß es sich um streckenweise improvisierte Musik handelt. Die Band ist ein Streichertrio, dessen Mitglieder – auch – im New Yorker Avantgarde-Jazz erfahren sind: der Geiger Mark Feldman, der Cellist Hans Roberts und der Kontrabassist Mark Dressler. Was sie spielen – und zu ihren Kompositionen spielend hinzuerfinden, was sie umgestalten, variieren –, ist reine, allen kühnen Klängen zum Trotz im Tonalen wurzelnde Kammermusik, die zu hören angenehm und sehr spannend ist. Die drei spielen ihre Instrumente mit allen virtuosen Finessen, begeben sich dabei gern auf Klangentdeckungsreisen. Es gibt fünf lange, intelligent ausgesponnene Stücke, dazwischen vier halbminütige Miniaturen, träumerische, expressionistische, geheimnisvolle, sprudelnde Klangetüden. Meisterliches Spiel, die Aufnahme von großer Plastizität. (JMT Productions München, Postfach 190925; JMT 834 429-1) Manfred Sack