Von Eva-Maria Thoms

Köln

Am vergangenen Freitag erging der Schuldspruch gegen die Journalistin Ingrid Strobl: fünf Jahre Haft wegen Unterstützung der Revolutionären Zellen und Beihilfe zum Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgebäude der Lufthansa in Köln am 28. Oktober 1986. Prozeßbesucher im Saal nahmen das Urteil mit Bestürzung und Resignation auf. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“, so meinten viele, habe bei diesem Urteil nicht gegolten.

In den letzten Jahren hat kaum ein Prozeß um terroristische Gewalttaten so viel Aufsehen erregt wie der gegen Ingrid Strobl. Wenige Tage vor Prozeßbeginn fanden sich am 11. Februar mehr als 10 000 Menschen bei einer Demonstration in Essen ein, um gegen ihre Inhaftierung zu protestieren. Der Berufsverband Deutsche Journalisten-Union setzte sich ebenso für sie ein wie Prozeßbeobachter aus dem In- und Ausland. Fragen der Beweisaufnahme führten zu Anfragen im Bundestag. An jedem der 27 Verhandlungstage waren Pressevertreter im Gerichtssaal.

Entscheidendes Beweismittel in diesem Verfahren war ein vom Bundeskriminalamt gekennzeichneter Wecker der Marke Emes Sonochron, den Ingrid Strobl im September 1986 in einem Kölner Uhrenfachgeschäft gekauft hatte. Der 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts hatte für das Urteil zwei Fragen zu beantworten: Wurde dieser Wecker als Zündmechanismus für die Bombe am Lufthansagebäude verwendet – und, wenn ja, hat Frau Strobl das Tatmittel in Kenntnis seiner Zweckbestimmung besorgt?