Doch dann waren die Anlaufkosten wesentlich höher als vorgesehen, die Forschungsprojekte ließen auf sich warten, und auch die Wirtschaft zeigte sich weniger großzügig als erhofft. Schon Ende 1987 bewahrte nur eine Finanzspritze aus Kiel die Nordische Universität vor dem finanziellen Ruin.

Dann kam der Regierungswechsel in Schleswig-Holstein, und die SPD war den Flensburger Studenten lange nicht so wohlgesonnen wie noch die Regierung des Uwe Barschel. Sie wollte vor allem nicht mit immer mehr Geld vom Steuerzahler eine private Hochschule finanzieren.

Ministerpräsident Björn Engholm knüpfte also feste Bedingungen an die weitere Unterstützung: Mindestens die Hälfte der laufenden Kosten müsse die Universität selbst aufbringen. Doch Ende des vergangenen Jahres belegte ein Gutachten der Fraunhofer-Gesellschaft, daß die Nordische Universität unter diesen Voraussetzungen keine Überlebenschance habe. Die Münchner Gutachter kamen zu dem Schluß, der Lehr- und Forschungsbetrieb sei nur bei einer öffentlichen Förderung von zehn Millionen Mark jährlich aufrechtzuerhalten.

Da machte die Landesregierung nicht mehr mit. Im April erfuhren die Studenten, daß sie zum Wintersemester auf staatliche Hochschulen wechseln sollten. Akzeptieren konnten die angehenden Ökonomen aber nur die wirtschaftlichen Argumente der Kieler Entscheidung: "Wir haben nichts dagegen, daß die NU in dieser Form zerschlagen wurde", sagt Klaas Hübner. "Da war alles viel zu verfilzt, die finanziellen Konzepte wurden nie deutlich aufgedeckt." Nicht akzeptiert haben die Studenten dagegen, daß sie ihr Studium fundamentale, ihre "Vision des neuen Wirtschaftsstudiums" aufgeben sollten. Sie begannen, ein Finanzierungskonzept für eine eigene Universität, die Deutsch-Skandinavische Handelshochschule zu entwickeln.

Das Studium dort soll stärker auf die skandinavischen Länder ausgerichtet sein, die Hochschule zum Mittler zwischen der Bundesrepublik und Skandinavien werden.

Die Studenten denken etwa an eine Kooperation mit den Hochschulen in Göteborg und Stockholm. "Unsere Naivität, unsere Unschuld und unser Einsatzwillen überzeugten mehr als Titel, Ränge oder der Nadelstreifen eines gestandenen ‚Alt-Managers‘", schrieben die Studenten dem Ministerpräsidenten. Sie haben die Wirtschaft mit ihrem Engagement tatsächlich beeindruckt. Tyll Necker, Geschäftsführer der Hako-Werke und Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), steht hinter der Initiative, und auch Christian Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerke, findet das Konzept "bewunderungswürdig und unterstützenswert". Vor allem die Idee des rent a Student gefällt ihm. Für 12 000 Mark im Jahr übernehmen dabei Unternehmen die Patenschaft für einen Studenten an der neuen Hochschule, im Gegenzug ist der Student dafür bereit, drei Monate im Jahr für das Unternehmen zu arbeiten. Die Industrie wolle damit nicht nur "eine mildtätige Spende leisten", sagt Gerald Söhlemann von der Commerzbank. Die Handelshochschule könne durchaus zu einer Kaderschmiede werden, das breitangelegte Studium sei dem Unternehmertum sehr zuträglich.

Dreizehn Patenschaften haben die Studenten bisher von verschiedenen Unternehmen fest zugesagt bekommen. Jetzt hoffen sie, daß auch Eckard van Hooven von der Deutschen Bank sie unterstützt. "Wenn der mitmacht, werden sich auch viele jetzt noch unentschlossene Unternehmen zu einer Patenschaft bereiterklären", glaubt Klaas Hübner.