Neben den Patenschaften haben die Flensburger bisher 350 000 Mark an jährlichen Spenden versprochen bekommen, in den vergangenen Wochen habe sich eine "wahnsinnige Dynamik" entwickelt. Klaas Hübner rechnet damit, daß es jetzt Schlag auf Schlag geht. Dennoch bleibt er realistisch. Es sei schon sehr schwer, 2,3 Millionen Mark zu sammeln. Bis zum Jahresende hätten sie es wohl geschafft, aber daß sie das Geld bis zum 14. Juli zusammenbekommen, "dafür stehen die Chancen vierzig zu sechzig".

"Wenn wir erst mal fünfzig Prozent der Finanzierung gesichert haben, werden wir zur Landesregierung gehen", sagt Hübner. "Dann hoffen wir, daß die auf ihren alten Vorschlag von fünfzigfünfzig einspringen." Doch Joachim Kreyenberg, Staatssekretär im Kultusministerium in Kiel, ist sehr skeptisch. "Man wiederholt doch alte Fehler nicht", sagt er. Deshalb werde das Kultusministerium diesmal das Konzept außerordentlich gut prüfen, und das würde dauern. Zudem kommt erschwerend hinzu, daß die Mittel, die für die Nordische Universität im Haushalt eingeplant waren, mittlerweile vergeben sind. "Ich habe alles bei der Fachhochschule Flensburg angelegt", sagt Kreyenberg, "ich habe null Pfennig übrig." Außerdem könne man nicht mit zwei Millionen eine Hochschule betreiben, da brauche man zwanzig Millionen.

Daß die Studienplätze an der Universität äußerst billig sind, findet auch Gerald Söhlemann. Doch der Bankfachmann hat das Konzept geprüft und hält die Kalkulation für realistisch. Auch die Initiatoren der Deutsch-Skandinavischen Handelshochschule sind von der Qualität ihres Finanzierungskonzepts überzeugt. In den vergangenen Wochen haben sie zudem mehr als 700 Anfragen von Studienanfängern bekommen, die sich für die Immatrikulation an der neuen Hochschule interessieren. "Selbst wenn wir hier scheitern, werden wir irgendwann doch eine solche Hochschule aufbauen, die Idee wird nicht scheitern", glaubt Klaas Hübner.

Fürs erste haben die Wirtschaftsstudenten vorsorglich drei Kommilitonen damit beauftragt, die Alternativen an anderen Hochschulen zu prüfen. Lüneburg und Kiel haben versprochen, die Flensburger zu akzeptieren. "Wir hätten schon Lust, die Studenten bei uns zu haben, die sind gut", sagt Professor Jürgen Hauschildt, Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Kiel. Zwar sei bei den Betriebswirten kein Platz mehr, aber im Bereich Volkswirtschaft und Sozialökonomie seien noch Kapazitäten frei. "Alle 67 Studenten könnten dort unterkommen." Das Vordiplom werde anerkannt, und im Rahmen einer Sonderaktion könnten die Studenten bereits im Wintersemester anfangen.

"Nur für drei, vier Leute von uns ist Kiel ein Thema", glaubt dagegen Martin Metzger, einer der Organisatoren in Flensburg. Zunächst sei eben für die meisten die Deutsch-Skandinavische Handelshochschule erstes Ziel, der Rest sei Risiko. "Für diese Uberzeugung ... ‚opferten‘ wir mit Freude unseren geraden Karriereweg", steht in dem Schreiben an Engholm. Doch die Karriere ist den engagierten Nachwuchsökonomen fast sicher. "Alle, die ihr Vordiplom haben, haben mindestens ein Angebot aus der Wirtschaft in der Tasche", behauptet Klaas Hübner. Sogar er habe nach dem zweiten Semester bereits eine gute Stelle in Aussicht.