Chinas Regime bietet der Welt ein widerwärtiges Schauspiel: Auf das Massaker in den Straßen Pekings folgt nun eine Verfolgungswelle von abstoßender Brutalität, auf den Amoklauf der Soldaten die kaltblütige Abrechnung mit der Demokratiebewegung. Mehr als tausend Menschen wurden bereits als „Konterrevolutionäre“ und „Aufrührer“ verhaftet. Die Fernsehbilder zeigen die Spuren der Folter auf ihren Gesichtern. Aufrufe zur Denunziation, Schießbefehl für Polizei und Militär: In China herrscht der nackte Terror.

Als führte Orwell Regie, werden in der staatlichen Propaganda aus Tätern Opfer: Nicht die Armee habe auf das Volk geschossen, suggerieren die Medien, vielmehr hätten Kriminelle und Rowdys arglose Soldaten massakriert. Doch die Pekinger Bürger kennen die Wahrheit. Mit ihnen ist die ganze Welt Zeuge geworden, wie Deng Xiaoping friedliche Menschen mit Maschinengewehren und Panzern niedermachen ließ.

Gewiß, Deng pfeift auf die Empörung des Auslands. Und die Erfahrung lehrt: Das Gewissen schlägt nicht lange, wo Gewinne winken. Doch wem will Deng noch lohnende Geschäfte versprechen? Er hat ja nicht nur die Demokratiebewegung erdrosselt, er stürzt auch die Wirtschaft ins Chaos. Chinas Reformer zerstört mutwillig sein eigenes Lebenswerk. Mit ihm und bei ihm können wir uns nicht mehr sehen lassen. M. N.