Von Peter De Thier

Allein die beiden Akteure machten die Auseinandersetzung schon spannend. „Wenn die zwei ehrgeizigsten und eitelsten Spitzenmanager in der gesamten amerikanischen Medienbranche aneinandergeraten, ist garantiert für Zündstoff gesorgt“, wußte die New York Times zu berichten. Doch diesmal fochten Henry Ross, Chef von Warner Communications, und Martin Davis, Top-Mann von Paramount, auch noch um ein besonders begehrenswertes Unternehmen: Time Inc., Verlag des größten Nachrichtenmagazins in den Vereinigten Staaten, Vorbild für etliche Nachahmer, darunter auch das deutsche Wochenmagazin Der Spiegel.

Time beherrscht den amerikanischen Zeitschriftenmarkt. Daneben kontrolliert das Unternehmen aber auch noch die zwei größten privaten Kabelsender der Vereinigten Staaten, Home Box Office (HBO) und Cinemax. Für die beiden Kontrahenten Ross und Davis ging es deshalb nicht nur darum, das eigene Unternehmen durch Übernahme von Time zum größten Medienmulti der Welt zu machen, sondern sich auch Absatzwege für ihre Filme und Fersehprodukte zu sichern. Viele der Streifen und Sondersendungen, die HBO und Cinemax bisher ausstrahlten, waren nämlich in den Studios der Filmgesellschaft Warner hergestellt worden. „Henry Ross möchte künftig auch die Absatzkanäle kontrollieren, über die seine Produkte vertrieben werden“, meint etwa Richard Kravits vom Marktforschungsinstitut Media International. „Da gibt es kaum einen schnelleren Weg, als sich die beiden größten Sendeanstalten einzuverleiben. Durch die marktbeherrschende Stellung, die Time bei den Printmedien hat, könnte man dann auch noch das Anzeigengeschäft an den eigenen Interessen ausrichten.“

Bereits im März schienen sich Warner und Time einig zu sein, nach dem Zusammenschluß wäre ein Medienmulti mit einem Umsatz von fast neun Milliarden Dollar entstanden. Nachdem auch wettbewerbsrechtliche Bedenken der zuständigen Bundesbehörde Federal Communications Commission (FCC) ausgeräumt worden waren, sollte die Fusion Ende Juni auf der Hauptversammlung von Time formal vollzogen werden.

Doch Dienstag vergangener Woche stellte sich Martin Davis seinem Erzrivalen Henry Ross in den Weg. Paramount bot den Time-Aktionären 175 Dollar pro Anteilsschein, der am Dienstag mit 126 an der Börse notiert worden war. „Davis lag die ganze Zeit auf der Lauer“, meint Henry Kravits: „Die Motivation ist für Paramount, die ähnlich strukturiert ist wie Warner Communications, genau dieselbe.“ Ein Zusammenschluß mit Time würde Paramount zum weltgrößten Medienmulti machen. Beide Unternehmen zusammen hätten dann einen Umsatz von mehr als 9,3 Milliarden Dollar.

Als Filmproduzent hat sich Paramount seit mehr als zehn Jahren sogar unter den drei größten amerikanischen Filmgesellschaften behaupten können. „Trotz weitreichender Aktivitäten im Verlags und im Schallplattengeschäft“, so Kravits, „geht es sowohl Warner als auch Paramount in erster Linie um eine vertikale Integration aller Unternehmensbereiche. Von der Produktion bis hin zum effektiven Vertrieb möchte man den Betriebsablauf vollständig unter Kontrolle haben.“

Obwohl Paramount mit seiner Offerte an den amerikanischen Finanzmärkten für großen Wirbel sorgte, kam die Ankündigung nicht ganz unerwartet. Das Angebot von Warner Communications bestand lediglich in einem Aktientausch. Die Vereinbarung sah vor, daß die Anteilsscheine der beiden Unternehmen zusammengelegt werden und die Time-Aktionäre von dem gemeinsamen Kapital lediglich 38 Prozent erhalten. Dies entspräche einem Barwert von etwa 6,5 Milliarden Dollar. Paramount hat nun aber fast 11 Milliarden Dollar geboten. Deshalb ist Paramount-Chef Martin Davis auch optimistisch: „Wenn auf der Hauptversammlung der Time Inc. zwischen einem weiteren Stück Papier und einem Barangebot im Wert von 175 Dollar pro Aktie entschieden wird“, so Davis, „glaube ich mit Sicherheit, daß wir den Zuschlag bekommen werden.“