Zeitmosaik

Lieber KLAUS

Herzlichen Glückwunsch

zum 25jährigen Jubiläum

in der Stadtentwässerung.

Ich bin stolz auf Dich.

Deine Schwiegermutter

Anzeige im "Hamburger Abendblatt"

Zeitmosaik

Der Künstler-Mäzen

Als man ihm vorschlug, die dem Abbruch schon fast anheimgegebenen und nur durch seine Renovierungsmillionen geretteten alten Hamburger Gemüsemarkthallen nach ihm zu benennen, da winkte Kurt A. Körber bescheiden ab. Nur dem Allgemeinwohl und der künftig hier auszustellenden Kunst fühlte sich der mit Erfinderphantasie und den entsprechenden Patenten gesegnete Industrielle und Mäzen verpflichtet. Inzwischen aber soll es nicht einfach bei den 20 Millionen bleiben, eine Skulptur, aufzustellen vor den Deichtorhallen, soll hinzukommen. Bei der Firma Blohm + Voss will Körber, der selber ein begnadeter Kopist ist und seine prominenten Freunde gelegentlich mit ihrem von ihm gezeichneten Portrait verblüfft, eine fast zwölf Meter hohe Stahlplastik bestellen, die durch zwei ineinander verschlungene Ringe bekrönt wird.

Diese Ringe, die auch das Firmenzeichen der Körberschen Hauni-Werke sind, sollen das Miteinander von Wirtschaft und Kultur versinnbildlichen. Und alle Hamburger können Teil dieser Symbiose werden: Mit seinem Namenszug kann jeder Bürger der Hansestadt, der fünf Mark bezahlt, auf einer Kachel-Wand im Keller in die Autographen-Ewigkeit eingehen. Dieses Geld wiederum kommt weiteren Stiftungen zugute. Wie gesagt: Kurt A. Körber ist ein großer Erfinder. Nur: die Ringe, die gab es schon vor dem Künstler Körber. Und Pyramiden werden wohl auch in 2000 Jahren nicht daraus.

Der Kaufmann von Hamburg

Die Hamburger "University Players", eine Schauspielgruppe der Universität, haben vor einem Jahr Aufsehen erregt, als sie in Peter Zadeks Schauspielhaus die Barschelaffäre als Shakespeare-Tragödie mit dem Titel "McBarsh" aufführten. In diesem Jahr steht eine neue Inszenierung auf dem Programm mit dem Gesamttitel "Shylock": Ein double feature bestehend aus Shakespeares "Merchant of Venice" und der Welturaufführung von David Henry Wilsons "Shylock’s Revenge". In diesem Stück erhält Shylock eine zweite Chance – indem sein Prozeß noch einmal aufgerollt wird. Von der Hafenstadt Venedig in die Hafenstadt Hamburg, wo es ja, wie wir alle wissen, wesentlich fairer zugeht: Was könnte Shylock Besseres passieren! Und die Freaks aus der Hafenstraße bekommen ein Ticket nach Italien. Da gibt’s schließlich verfallene Palazzi genug...

Die Aufführung im Audimax der Universität ist noch am 16., 17. und 18. Juni, jeweils um 15.00 und 19.30 Uhr, zu sehen.

Letzte Meldung

Es geschah in Garmisch-Partenkirchen. Vielleicht gestern, vielleicht morgen, vielleicht letzte Woche. Und wir haben nichts gemerkt. Aber dpa hat es gemeldet, und ein verzweifelter Sonntagsredakteur hat damit das letzte Loch auf der Feuilletonseite der Frankfurter Rundschau gestopft: "GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Jedes Stück ist eine Herausforderung, der man sich immer wieder neu stellen muß.’ Dieses Resümee zog der Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, August Everding, auf einem Symposium zum Thema ‚Wie inszeniert man Richard Strauss heute?‘" Genau, würde Karl Valentin jetzt sagen. Oder Gustav Gans. Und wir haben endlich eine verläßliche Maßeinheit zur Resümierung des laufenden Schwachsinns gefunden: le gleich 1 Everding gleich Masse mal Quadratkrampf. Demjenigen Leser aber, der herausfindet, wieviele-Einheiten (auf der nach oben offenen Skala) diese Meldung enthält, winken als Preis wahlweise eine Gesamtausgabe aller "Letzten Meldungen" oder eine namentliche Erwähnung im Kulturteil der Frankfurter Rundschau. Sonntags immer!