Solidarität in Bonn

Jetzt ist es wieder still rund um die chinesische Botschaft gleich neben der Bad Godesberger Redoute. Die jungen Studenten mit den weißen Trauerstirnbändern, die in Köln, Bonn oder Düsseldorf die Universität besuchen, stehen nicht mehr Mahnwache; ihre Kränze sind weggetragen worden. Bewegende Szenen haben sich hier abgespielt. Der Botschafter, noch nicht lange in Bonn, empfing eine Abordnung junger Landsleute. Er hat selbst zwei Söhne, die zu Hause in Peking studieren. Waren auch sie auf dem Tiananmen-Platz? Einige deutsche Kommilitonen waren mitgekommen in die Kurfürstenallee, erschrocken, ratlos und traurig. Ihr Bedürfnis nach Solidarität ist von der Bundesregierung nicht gestillt worden. Zurückgeblieben ist ein grüblerisches Gedicht: „Sagt nicht der Papst: Respekt dem toten Chomeini – / auch tote Zivilisten in Peking ernten Respekt / und wo war die Solidarität, als sie noch lebten – / Solidarität, eine Partei in Polen, wir brauchen sie nicht?“

Mahnung vom Himmel

Den Zeigefinger erhob Papst Johannes Paul II. beim Flug über die Bundesrepublik nach Skandinavien: Nachdem die Staatsoberhäupter Italiens und der Schweiz aus dem Papstflugzeug nur formale Grußdepeschen erhalten hatten, telegraphierte der römische Pontifex an Richard von Weizsäcker nach Bonn, er erbitte den Bundesbürgern „geistig-sittliche Erneuerung“ und „eine um so wirksamere Wahrnehmung ihrer Verantwortung für ein christliches Europa“. Auf dem Rückflug nach Rom hingegen fügte der gebürtige Pole seinem telegraphischen Gruß nach Bonn den Wunsch hinzu, das deutsche Volk möge „in christlicher Solidarität“ seinen Beitrag zur europäischen Verständigung leisten „und darin selbst die Wahrung seiner nationalen Anliegen und deren Erfüllung finden“.

Gefährlicher Schlaf

Ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel gegen Umwelt-Unfälle schlagen drei Wissenschaftler der kalifornischen Stanford-University vor: Humanere Schichtdienste in industriellen Großbetrieben könnten verhindern, daß – wie von den Forschern ermittelt – bis zu fünfzig Prozent der Arbeiter „regelmäßig“ im Dienst einschlafen. Ihre Studie erinnert daran, daß sowohl das Reaktorunglück auf Three Mile Island bei Harrisburg und die Giftgas-Katastrophe im indischen Bhopal wie auch die jüngste Öltanker-Havarie vor Alaska in der späten Nacht ihren Ausgang nahmen – genau in jener Zeit also, in der das Wachpersonal am häufigsten vom Schlaf übermannt werde.