Schneller als gedacht zeigt der im April vorgelegte Delors-Bericht zur Wirtschafts- und Währungsunion in der Gemeinschaft Wirkung. In den nächsten Tagen werden die EG-Finanzminister zwei neue Währungen in die Europäische Währungseinheit (Ecu) integrieren: die spanische Peseta und den portugiesischen Escudo. Dann sind endlich alle zwölf Gemeinschaftsländer an der Ecu beteiligt, die Europawährung ist damit komplett.

Noch wichtiger ist freilich, daß der spanische Finanzminister Carlos Solchaga ankündigte, bis spätestens Mitte nächsten Jahres werde die Peseta auch am Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems (EWS) teilnehmen, also gewissermaßen zur Kerntruppe der Stabilitätsgemeinschaft innerhalb der EG vorstoßen. Dort wären dann immerhin neun Länder vereint, und die widerborstigen Briten müßten noch mehr über ihre Verweigerungshaltung in Sachen EWS nachdenken.

Aber eitel Freude macht der spanische Antrag den meisten alten EWS-Mitgliedern auch nicht. Die Spanier möchten nämlich genau wie Italien ein Sonderrecht beanspruchen. Auch ihre Währung soll um sechs Prozent nach beiden Seiten um den Leitkurs schwanken dürfen, die übrigen Länder begnügen sich mit zweieinviertel Prozent.

Seit Jahren bemühen sich die anderen Länder, Italiens Sonderrecht abzuschaffen – bisher erfolglos. Da ist eine Verstärkung für die Italiener beim Kampf um geringere Bandbreiten kaum erwünscht. Aber bis Mitte nächsten Jahres ist ja noch Zeit, beide Staaten vom gleichen Recht für alle zu überzeugen. bm