Die Deutschen wappnen sich gegen feindliche Aufkäufer

Von Hans-Otto Eglau

Der Vergleich mit dem Fisch, der einen kleineren Fisch verschlingt, um kurz darauf von einem noch größeren gefressen zu werden, schmeckt Werner Lamby gar nicht. Die Übernahme der Duisburger Handelsfirma Klöckner & Co aus dem Besitz der Deutschen Bank, meint der Manager aus dem Vorstand des Mischkonzerns Viag, habe den Einstandspreis für einen unerwünschten Aufkäufer seines Unternehmens erheblich in die Höhe getrieben, da könne sich so mancher Fisch zuviel vornehmen.

Ganz ausschließen will Werner Lamby dennoch nicht, daß jemand heimlich Aktien seiner Gesellschaft sammelt. Vorsichtshalber ließ der durch Gerüchte aufgeschreckte Viag-Vorstand diskret bei dem an der Börse als Interessent gehandelten britischen Lonrho-Konzern nach etwaigen Absichten fragen. Doch Lonrho-Chef Tiny Rowland bestritt, mit dem erst im vergangenen Jahr vollständig privatisierten ehemaligen Bundeskonzern etwas im Sinn zu haben.

Seit dem überraschenden Einstieg der Veba bei Feldmühle Nobel (Feno) Mitte Mai blüht die Übernahmephantasie hierzulande mehr denn je. In aller Stille hatten die Flick-Enkel ein vierzigprozentiges Aktienpaket an dem aus der ehemaligen Flick-Gruppe hervorgegangenen Firmenkonglomerat (Papier, Chemie, Heizkessel, Edelstahl) zusammengekauft. Dieser Coup, gegen den Willen des Managements und trotz der als Abwehrbollwerk eingeführten Stimmrechtsbegrenzung für Aktionäre auf maximal fünf Prozent, werde schon bald noch unschlüssige Investoren aus der Reserve locken, prognostizieren viele Börsenkenner. „Der Vorgang ist im Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden“, weiß etwa Bodo Fuchs, Geschäftsführer der auf die Vermittlung von Firmenkäufen und Fusionen spezialisierten Deutsche-Bank-Tochter db Consult. „Die Scheu hat stark abgenommen“, ist auch der Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert überzeugt. Die deutsche Industrie, doch keine uneinnehmbare Festung?

Interessierte Beobachter dürften vor allem davon angetan gewesen sein, wie relativ mühelos sich ein für die Majorisierung der Feno ausreichendes Aktienpaket zusammenkaufen ließ. Weil eine amerikanische Bank, das Investmenthaus Merril Lynch, die Aktion inszenierte und größere

Anteile außerhalb der Börse bei Fonds und Versicherungen direkt kaufte, geriet die mächtige Deutsche Bank unverhofft in die Rolle des Statisten. Allerdings wären Gesellschaften mit einer breiteren und festeren Aktionärsstruktur, als sie die erst vor drei Jahren an die Börse geführte Feno besitzt, wohl kaum so leicht unter Kontrolle zu bringen gewesen.