Hurra Deutschland! Du kannst vor der Glotze getrost weiterpennen. Vom WDR nämlich drohte Gefahr. Satire war angesagt – öffentlichrechtlicher Schalk also.

Zehnmal soll zu bester Sendezeit, montags vor den Tagesthemen im ersten Programm, fünfzehn Minuten lang, der Bildschirm erröten: Dann werde – hört! hört! – der aus allen Kanälen schwappende Hofbericht aus Bonn unterbrochen durch Unglimpf über Politiker, Prominente, Party-Löwen/Party-Ziegen.

Mit der vom Rundfunkrat erteilten Lachgenehmigung haben wir es uns bei der ersten Sendung von Hurra Deutschland vor dem Fernsehgerät bequem gemacht. Einmal und nie wieder: So schnell setzen wir uns dieser Dusche aus einer mit Brom und Valium verschnittenen Baldrian-Spätlese nicht noch einmal aus.

Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Sandmann auch zu dir ... Die Ausgewogenheits-Apotheker, die Proporz-Bedenkenträger, die das deutsche Fernsehen zu einer Verblödungsanstalt machen, schaffen es schon noch, daß wir uns nach dem Tag – was sag’ ich: nach den Tagen! – ohne Fernsehen sehnen.

Staatserhaltend gehen die ARD-Oberen davon aus: Politiker produzieren in Wort und Tat genug Real-Satire; da kann Fernseh-Satire Balance nur herstellen durch eine „niedliche und komische“ Puppen-Show, in der karikaturistisch nett vergröberte Gummi-Köpfe der Herrschenden (nach dem legendären Vorbild der frech-ordinären englischen Satire-Sendung Spitting Image) so bieder deutsch-humoristisch babbeln, „daß der Zuschauer unsere Figuren liebgewinnen kann“. „Niedlich“, „lieb“: Zielvorgaben deutscher Fernseh-Satire.

So niedlich lieb war denn auch das als „grandiosestes Programm der Welt“ angedrohte „großartige Magazin“. Kohl sitzt mit seinem Kabinett bei Kaffee und Kuchen in der Kantine oder singt im Festzelt: „Deutscher Wein, deutsches Bier, das gefällt uns gut: Deshalb sind wir hier.“ Ähnlich lieb niedlicher Schwachsinn über Rudi Carrell, Udo Jürgens oder einen Fußballer aus dem Neandertal namens Beckenthaler.

Drei Puppenspieler, so erfahren wir, müssen die Puppen bewegen: Einer bewegt den Mund, einer die Augen, einer die Glieder. Hurra Deutschland ist für einen einzelnen Zuschauer zuviel. Die Sendung erfordert ein Team von vier Zuschauern: einer guckt, einer hält ihm die Augen auf, einer den Mund zu (gähn!), einer versucht, ihm durch Kitzeln ein Lächeln zu entlocken. Vergebens. Finis