Von Joachim Grete

Krisis ist griechisch und heißt soviel wie „Entscheidung“. Oder: Erst wenn die Katastrophe da ist oder sich bedenklich nähert, wird gehandelt. Gibt es denn keine Möglichkeit, gleich sauber zu „verbrennen“, statt erst die Umwelt durch Verbrennung fossiler Kraftstoffe zu verschmutzen und hinterher zu reparieren?

Eine Möglichkeit – und viele Wissenschaftler sagen, es sei die einzige – ist die Technologie des solaren Wasserstoffs. Wasserstoff ist ein kohlenstofffreier Brennstoff mit einem dreimal höheren Energiegehalt als Benzin oder Dieselkraftstoff. Er verbrennt mit Sauerstoff zu reinem Wasser. Dieses Wasser, durch Elektrolyse wiederum in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, ist dann erneut Ausgangsprodukt eines sauberen Brennstoffes, womit ein natürlicher, kohlenstofffreier Kreislauf geschlossen wird.

Da Wasserstoff keine Primärenergiequelle ist, muß er hergestellt werden auf eine Weise, die natürlich ebenfalls sauber sein muß. Stellt man ihn mit Sonnenenergie her, ist er umweltfreundlich und reichlich.

Wasserstoff läßt sich in verschiedenen Formen – gasförmig, flüssig oder fremdmolekülgebunden – transportieren, speichern und verwenden. Damit ist ein sauberes, in sich geschlossenes Energiekonzept möglich: Primärenergie in Form von Sonnenenergie aus Wüstenländern oder Wasserkraft aus Kanada, Afrika oder Grönland kann in Form von elektrolytischem Wasserstoff nach Europa transportiert werden, um dort als sauberer Kraftstoff in Kraftwerken, Haushalten, Automobilen und Flugzeugen verbrannt zu werden.

Es erhebt sich natürlich die Frage: Wenn das so schön ist, warum hat man das nicht schon immer gemacht? Warum hat man nicht, statt die in Millionen Jahren durch Photosynthese und unvollkommene Verbrennung zu Kohle und Öl gewordene Sonnenenergie zu verbrennen, diese unmittelbar genutzt und auf umweltverschmutzende Energieumwandlungen verzichtet? Es war zu teuer. Kohle war „da“, Erdöl sprudelte zunächst beinahe kostenlos aus der Erde, und Umweltverträglichkeit ist erst in jüngster Zeit zu einem Problem geworden.

Nun wurde schon mit dem Übergang von Holz zu Kohle, dann zu Öl und dann zu Gas der Brennstoff zunehmend wasserstoffreich und damit sauberer. Wasserstoff selbst ist völlig kohlenstofffrei und daher in seiner Verwendung potentiell absolut sauber. Aber die Kriterien des Übergangs waren geringere Kosten und größere Bequemlichkeit in der Handhabung. Dieses Mal – zum ersten Mal – ist der neue Brennstoff teurer als der Vorgänger. Kommen wir auf die Kosten später zurück und betrachten die Primärenergie des Hydro-Wasserstoffs, die Sonnenenergie.