Wenn von „E 5“ die Rede ist, klingt das nach Lebensmittelchemie oder europaweitem Autobahnsystem. „E 5“ ist aber die Abkürzung für den „Europäischen Fernwanderweg 5“. Er führt vom Bodensee durch die Allgäuer, Lechtaler und Ötztaler Alpen nach Südtirol. Der Südabschnitt durchquert ab Bozen die Fleimstaler und Vicentiner Alpen der Provinzen Trentino und Veneto.

Sommer für Sommer ziehen einige tausend Rucksackträger von Konstanz über die Berge nach Verona in Norditalien. Offiziell endet der rund 600 Kilometer lange beliebteste Wanderweg Europas in Venedig. Aber das Schlußstück durch die brütend-heiße Poebene schenken sich die Wanderer meist. Es sind hauptsächlich Deutsche, die den E 5 bevölkern, am Abend die Berghütten aufsuchen und die Biervorräte dezimieren. Vier verschiedene Wanderführer konkurrieren um die Gunst potentieller Alpenüberquerer.

Welches Werk soll nun in den Rucksack? Erfahrene Streckenwanderer knausern mit jedem Gramm, das sie mitschleppen müssen, und verkürzen sogar den Griff ihrer Zahnbürste, um das Gewicht zu mindern. Mit 135 Gramm ist der Fink-Führer der leichteste. Das Müller-Buch bringt 225 Gramm auf die Waage und der Kompass-Führer 295 Gramm. Völlig aus dem Rahmen fällt der kiloschwere großformatige Bildband aus dem Bruckmann Verlag, besser geeignet für die Vorbereitung zu Hause.

Die Streckenführung des Fernwanderweges ist von der Europäischen Wandervereinigung, die den E 5 und andere europäische Ferndistanzwege betreut, exakt vorgeschrieben, der Wegverlauf in der Landschaft zumeist vorzüglich markiert. Sind aber Wegezeichen verschwunden, können die Wanderbücher auch nicht weiterhelfen. Alle Streckenbeschreibungen sind mehr oder weniger kurz und geben die bis zu zehnstündigen Tagesetappen auf wenigen Druckseiten wieder.

Wichtig wäre eine genaue Schilderung des Streckenverlaufs in den Ortschaften, die durchquert werden müssen, denn der E 5 ist beispielsweise im Stadtgebiet Bozen nicht ausgezeichnet. Einzig das Müller-Buch leitet die Fernwanderer sicher durch die Südtiroler Provinzhauptstadt. Wer einen anderen Führer in die Hand nimmt, muß sich durchfragen. Das Fink-Buch empfiehlt eine Stadtbusverbindung, die nicht existiert.

Neben der Wegbeschreibung erwarten die Wanderer auch Informationen zu Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten. Mit Namen nennt der Kompass-Führer nur die Berghütten und -gasthäuser, während die anderen Bücher auch Unterkünfte in den Talorten namentlich aufführen. Für die Hochsaison ist es ratsam, das abendliche Quartier telephonisch zu reservieren. Der Kompass-Führer ist da wenig hilfreich, denn er verzeichnet nur Telephonnummern einiger stark frequentierter Alpenvereinshütten auf dem Nordabschnitt des E 5. Umfassender informieren die anderen Bücher, die zumeist alle Nummern – sofern ein Telephonanschluß überhaupt vorhanden ist – aufführen. Allerdings können sich die Autoren nicht immer auf dieselbe Telephonnummer einigen. So wird zum Beispiel das „Rifugio Lago Erdemolo“ mit zwei unterschiedlichen Anschlüssen genannt. Im Fink-Führer findet man die Nummer der Berghütte, im Müller-Buch die der Hüttenpächterwohnung im Tal. Für das Städtische Verkehrsamt am Bozener Waltherplatz werden sogar drei verschiedene Nummern angegeben. Der Müller-Führer nennt den Anschluß der Verwaltung, Fink den des Informationsbüros. Die Angaben bei Kompass und bei Bruckmann sind falsch.

Allein das Buch aus dem Müller-Verlag führt auch Preise für Übernachtungen und Mahlzeiten auf; die allerdings ändern sich meist von Jahr zu Jahr. Daß der Autor auch eine Bewertung der Häuser vornimmt („Schnellimbißatmosphäre im ungastlichen Wirtsraum“), ist eine zweischneidige Sache. Zu stark spielen persönliche Vorlieben und Abneigungen eine Rolle.