Kurzportrait

They never come back: Für die Berliner FDP gilt diese alte Boxerweisheit nicht. Der Rechtsanwalt Hermann Oxfort war schon zweimal Justizsenator unter wechselnden Koalitionen, nun wird er zum zweiten Mal Landesvorsitzender. Wäre nicht er es geworden, dann hätte der frühere Wirtschaftssenator Wolfgang Lüder ebenfalls zum zweiten Mal dieses Amt angetreten.

Die Entscheidung fiel knapp aus: Im zweiten Wahlgang erhielt Oxfort 125 von 250 Stimmen, Lüder 120. Die Mehrheiten hatten wieder einmal gewechselt in dieser Flügelpartei. Nachdem die FDP bei den Wahlen vom 29. Januar mit 3,9 Prozent der Stimmen aus dem Berliner Abgeordnetenhaus flog, war sie beim Landesparteitag am 4. März nicht fähig, den zurückgetretenen Parteivorstand unter Walter Rasch zu ersetzen. Nun tauchte, kurz vor dem sogenannten Fortsetzungsparteitag, der rechtsliberale Oxfort mit seinem Programm für Kontinuität und Erneuerung auf und nahm dem linksliberalen Lüder alle Chancen. Eine Überraschung. Schließlich hatte Oxfort, dessen Stern seit den fünfziger Jahren mit den jeweiligen Mehrheiten im Berliner Landesverband stieg und sank, aus Resignation über den Zustand seiner Partei nicht einmal mehr für das Abgeordnetenhaus kandidiert. Der Sechzigjährige, der 1949 aus Erfurt zum Jurastudium nach Berlin kam, wird seine liberalkonservative Grundhaltung nicht verleugnen. Rüde Flügelkämpfe werden hingegen seine Sache nicht sein.

Niemand in der FDP bestreitet, daß Oxfort ein honoriger Mann ist. Als einmal ein paar inhaftierte Terroristen entkamen, nahm der damalige Justizsenator ohne Zögern seinen Hut. Damals setzte er Maßstäbe, die heute kaum noch gelten. Daß Oxfort trotz mancher Demütigung zurückgekommen ist, mag die Berliner FDP trösten – vielleicht kehrt sie ja auch eines Tages dorthin zurück, wo die Macht winkt.

J. N.