An 567 Stränden entlang der Nordsee wehen in diesem Sommer wieder die blauen Fahnen. Zum dritten Mal seit 1987 zeichnet die EG mit diesem Gütesiegel jene Badeplätze aus, die den Mindestnormen für klares Wasser und saubere Strände entsprechen.

Die Küste spielt für Hollands wichtigste Kunden, die Westdeutschen, eine außergewöhnlich große Rolle“, sagt Wim Rovers, der Verkehrsdirektor des holländischen Badeplatzes Noordwijk, „deshalb sind wir daran interessiert, daß die Qualität des Wassers und der Strände den Umweltnormen entsprechen.“ Rovers ist stolz darauf, daß der Küstenort als einzige europäische Gemeinde seit einem Jahr eine sogenannte Strandreinigungsmaschine einsetzt. Dieser beachcleaner, der das ganze Jahr hindurch täglich arbeitet, um den dreizehn Kilometer langen Sandstrand von Noordwijk von Abfällen und angespülten Teer- und Ölresten zu säubern, gewährt einen sauberen Strand. An Wochenenden sammelt die Maschine zwischen 60 und 80 Kubikmeter Abfall ein. Aber auch die anderen 30 Badeorte an der 170 Kilometer langen Küste zwischen Schoorl und Cadzand, die jährlich von acht Millionen Bundesbürgern besucht werden, tun alles, um ihre Strände sauber zu halten.

Nicht beeinflussen hingegen können die Gemeinden die Qualität des Nordseewassers. Anneliese Wals von der zuständigen EG-Behörde versichert jedoch: „Die Qualität wird ganz langsam besser. Die von uns ausgewählten Strände erfüllen die Mindestnormen.“ Gemessen und bewertet werden Geruch und Farbe, Geschmack und Klarheit des Wassers. Von den 24 holländischen Badeorten, die sich um eine blaue Flagge beworben haben, dürfen sieben sie am Mast flattern lassen. In der Bundesrepublik wird sie an 14 Stränden, in Dänemark an 89 und entlang der belgischen Nordseeküste an 24 Stränden zu sehen sein.

Wenngleich die Nordsee an diesen Küstenstrichen den Minimumanforderungen der von der EG festgesetzten Norm genügt, gibt es doch Unterschiede. In den Niederlanden wird die sauberste und beste Wasserqualität von Seeland sowie von den Inseln Texel und Terschelling gemeldet. Ein Sprecher des Ministeriums für Wasser in Den Haag meint, trotz verbesserter Wasserqualität gebe es noch Grund zu Klage, da vor allem Flüsse wie Maas, Scheide und Rhein noch immer zu fünfzig Prozent für die Verunreinigung des Meeres verantwortlich seien.

Folkert Post vom Wasserministerium: „Das Ökosystem der Nordsee ist aus dem Gleichgewicht geraten. Für den Menschen besteht jedoch keine Gefahr, da er sich nicht regelmäßig im Wasser aufhält.“

Nach Angaben von Greenpeace transportieren Flüsse wie der Rhein rund 5000 verschiedene Schadstoffe in die Nordsee, die niederländische Regierung hingegen spricht von vierzig verschiedenen Schadstoffen. Greenpeace hat inzwischen eine umfangreiche Aktion gestartet, um erneut auf die Verschmutzung der Nordsee aufmerksam zu machen.

Vor allem die Badeplätze an der Deutschen Bucht und an Dänemarks langer Küste werden weiterhin Sorgenkinder bleiben. Denn bedingt durch die Strömung, lagern sich vor jenen Gebieten Schadstoffe auf dem Meeresgrund ab und bilden eine Gefahrenquelle für das Badewasser. Siggi Weidemann