Wenn die führenden Köpfe des deutschen Finanzgewerbes öffentlich über den Finanzplatz Deutschland reden, loben sie allenthalben „die hohe technische Effizienz des Finanzsystems und seinen traditionell liberalen ordnungspolitischen Rahmen“. So singen sie das Hohelied des föderalen deutschen Börsenwesens, nachzulesen im jüngsten Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft deutscher Wertpapierbörsen.

Nur hinter verschlossenen Türen ärgern sich einige über die Profilierungssucht und das stete Gegeneinander der acht deutschen Wertpapierbörsen. Den Mut, auch öffentlich Klartext zu reden, brachten sie bisher nicht auf. Damit hat jetzt Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl Schluß gemacht und endlich öffentlich gesagt, was er vom kleinkarierten Hickhack der deutschen Provinzbörsen hält: nichts.

Wenn er die Bemühungen um eine Börsenreform hierzulande betrachte, meinte Pöhl, dränge sich ihm der Eindruck auf, daß Etabliertes um jeden Preis erhalten werden solle. Die deutschen Börsen befänden sich gegenüber internationalen Plätzen wie London und Paris im Rückstand, der sogar noch zu wachsen drohe. Über eines müßten sich deutsche Börsianer endlich klarwerden: Nur Frankfurt habe noch eine Chance, ernsthaft als internationaler Platz in Frage zu kommen. Für die Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Börsen habe er nur noch wenig Verständnis.

Das ist harte Kost für Deutschlands Provinzbörsianer, für die Politiker in Bonn und vor allem für die in den Landeshauptstädten, die an „ihren“ Börsen hängen. Aber es hilft nichts: Der Zukunft des Finanzplatzes Deutschland dient es nicht, die bestehenden Börsenplätze zu erhalten, sondern die Position Frankfurts im internationalen Finanzsystem zu stärken. bm