Die Reise mit einer japanischen Urlauberfamilie durch Deutschland kann ganz schön anstrengend sein

Von Lutz Kinkel

Samstag morgen, Frankfurt Flughafen. Pausenlos starten und landen Flugzeuge. Die Menschen drängen mit Koffern und Taschen bepackt um die Terminals. Zusammen mit Frau Engel, der Reiseleiterin, erwarte ich Familie Hokaido aus Japan. Tausende von Yen haben sie investiert, Tausende von Kilometern hinter sich gelassen, um für vier Tage Deutschland zu besuchen. Und weil es hier mehr als nur Wolkenkratzer zu sehen gibt, wurde ich als Chauffeur der Reisegesellschaft engagiert.

Dann passiert es: Ein Klischee wird Wirklichkeit. Sieben Japaner mit sieben Koffern kommen siebenfach freundlich lächelnd auf uns zu. Da muß man einfach mitlächeln. Per Handschlag begrüße ich sie, natürlich die Damen zuerst, wie sich das gehört. Ein fragender Blick des Familienoberhauptes bedeutet mir, daß sich das in Japan gerade nicht gehört.

Ob sie ins Hotel wollten, frage ich. Siebzehn Stunden Flug erfordern doch schließlich eine Ruhepause. Sieben vom langen Jettag gezeichnete Gesichter schauen mich an. "Aber keineswegs", lautet die Antwort. Frau Engel übersetzt mir, daß es gleich losgehen könne. Eine bange Vorahnung beschleicht mich. Vier Tage Urlaub werden das wohl nicht. Wir steigen also in unseren Kleinbus und düsen los. Richtung Rüdesheim, wohin auch sonst. Im Bus hat jeder seinen Platz: Herr Hokaido neben mir auf dem Beifahrersitz, dahinter seine Frau mit Frau Engel; eine Bank weiter sitzt der Sohn nebst Gattin, und ganz hinten auf den billigen Plätzen drängeln sich die drei Nichten.

Während wir durch die grünen Rheinauen fahren, verwandelt sich unser Bus in eine High-Tech-Kathedrale. Der Zigarettenanzünder weicht einem Videoadapter, die Sonne bescheint die Solarzellen diverser Autofocus-Kameras. Und zur Belebung der Kommunikation bekomme ich einen scheckkartengroßen Deutsch-Japanischen Übersetzungscomputer geschenkt. Bei so viel Technik wird die beschauliche Ruhe der Weinberge und Wiesen, die an uns vorbeiziehen, fast zur Nebensache.

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