600 Meter vom Ende der Ausbaustrecke entfernt harkt Otto Lindemann sein frisch gesenstes Gras zusammen. "Für die Karnickel", erklärt er mir über die Hecke, "sonst laß ich das alles stehen. Die Käfer und Spinnen, die Schmetterlinge und Hummeln sollen ja auch noch irgendwo leben heutzutage." Herr Lindemann, ein Feind der Autobahn? Weit gefehlt. "Uns tut sie nix", sagt er. Und er hat ja miterlebt, wie das alles begann. "Als ich 1955 hierherkam, gab es vier Autos im Dorf. Jetzt sind es über dreißig. Mein Sohn ist Lehrjunge bei einer Autofirma, der hat auch einen Wagen. Die beiden Mädchen vom Hof da drüben", und er zeigt mit der Harke über die Straße, "die haben bald auch ein Auto."

Und findet er das gut? "Gut?" antwortet er, "das ist die Zeit, da muß man mit. Man wird ja auch gar nicht gefragt." Er lacht und grüßt zu einem vorbeifahrenden Auto hinüber.

Mir bleiben noch zwölf Kilometer bis Meldorf. Von dort nehme ich die Bundesbahn bis Itzehoe, Texas. Ende einer Radtour durch die Benzinrepublik Deutschland.