Wer gute Nachbarschaft pflegt, besucht seine Zeitgenossen regelmäßig, lädt sie aber auch zu sich nach Hause ein. Solche Art Nachbarschaft hat wohl dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper vorgeschwebt, als er am Montag in Ost-Berlin den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker nicht nur bat, DDR-Besuche für Westberliner zu erleichtern, sondern auch Gegenbesuche in West-Berlin. Er griff damit den Vorschlag des Ostberliner Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe auf. West-Berlin und Ost-Berlin – eine Stadt zum Einüben von Nachbarschaft. Und es würde die DDR nicht einmal Devisen kosten.

Erich Honecker ließ mit sich reden, solange es um Westberliner ging. Sie können in Zukunft leichter als bisher einreisen, dürfen auch in Fürstenwalde oder Treuenbrietzen übernachten (also in den Bezirken Postsdam und Frankfurt an der Oder anstatt wie bisher nur in Ost-Berlin. Sie dürfen sogar ihren geliebten Hund mit zu den Wanderungen in der Mark Brandenburg nehmen – ein lange gehegter Wunsch.

Den eigenen Bürgern gegenüber zeigte sich der SED-Chef nicht so freizügig. Da bleibt alles beim alten: Reisen nur für Rentner und Leute mit Verwandten. Für die anderen nicht mal einen Sprung auf den Ku’damm. Sie bleiben Gastgeber. M.M.