Die Umweltpolitik macht dem Vergaserhersteller zu schaffen

Von Heinz-Günter Kemmer

Was Bundesumweltminister Klaus Töpfer als Erfolg feiert, läßt mehr als zweitausend Beschäftigte der Pierburg GmbH um ihren Arbeitsplatz bangen. Denn wenn von 1993 an auch Kleinwagen mit einem Hubraum bis zu 1,4 Litern mit einem geregelten Katalysator ausgerüstet werden müssen, bleibt das Unternehmen möglicherweise auf den von ihnen produzierten Vergasern sitzen, weil die Automobilindustrie dann Einspritzpumpen braucht.

Zwar kann inzwischen auch Pierburg mit Einspritzsystemen aufwarten, findet derzeit aber keinen Automobilhersteller, der die Geräte erproben und später in der Serienfertigung einsetzen will. Selbst wenn in absehbarer Zeit jemand bereit wäre, die Pierburg-Einspritzer näher unter die Lupe zu nehmen, käme das Unternehmen immer noch in Schwierigkeiten, die Klaus Germann, Pressesprecher der Muttergesellschaft Rheinmetall, als „Zeitfalle“ umschreibt.

Denn ehe sich eine Autofabrik zur Übernahme der Pierburg-Technik in die Serienfertigung entschließe, prüfe sie das System „zwei Sommer und zwei Winter lang“ – so Germann – auf Herz und Nieren. Selbst im günstigsten Fall würde es also bis zum Herbst 1991 dauern, ehe Pierburg die ersten Einspritzanlagen verkaufen könnte. Dann aber, so vermutet das Management von Pierburg, wird der Absatz von Vergasern schon so stark geschrumpft sein, daß sich die sinkende Beschäftigung in der Vergaserproduktion nicht durch die beginnende Einspritz-Fertigung ausgleichen läßt.

Als Rheinmetall 1986 in das kränkelnde Familienunternehmen einstieg, sah das noch ganz anders aus. Der Widerstand der EG-Partner Frankreich und Italien gegen die Ausrüstung auch von Kleinwagen mit geregeltem Katalysator vor Mitte der neunziger Jahre gaukelte dem Konzern eine mehr als ausreichende Spanne für die Entwicklung technischer Alternativen zum betagten Vergaser vor. Karlheinz Radermacher, den Rheinmetall-Chef Hans U. Brauner in den Vorstand geholt und gleichzeitig zum Pierburg-Chef gemacht hatte, glaubte überdies nicht an ein schnelles Ende der alten Technik.

Knapp achteinhalb Monate nach seinem Eintritt bei Rheinmetall verließ der mit viel Vorschußlorbeeren bedachte ehemalige Entwicklungschef von BMW das Unternehmen wieder. Und heute hat man in der Konzern-Zentrale die Erkenntnis gewonnen, daß „Radermacher uns ein ganzes Jahr gekostet hat“. Was wohl heißen soll, daß die Entwicklung der Einspritzpumpe nicht so entschlossen vorangetrieben wurde, wie es möglich gewesen wäre.