ZEIT: Herr Stumpfe, warum haben die Arbeitgeber den IG-Metall-Wunsch nicht erfüllt, den Beginn der Tarifverhandlungen um drei Monate vorzuziehen?

Stumpfe: Weil wir nicht sehen, weshalb wir einseitig die Verhandlungsposition der Arbeitgeber erheblich verschlechtern sollen, ohne daß die IG Metall irgendein Entgegenkommen signalisiert. Im Gegenteil, sie konfrontiert uns schon ein Jahr vor den Tarifverhandlungen mit erheblichen Forderungen und mit der Drohung eines Großkonfliktes.

ZEIT: Riskieren die Arbeitgeber mit dieser Ablehnung nicht, daß die Mitglieder den Verbänden – Arbeitgebern wie Gewerkschaften – aus dem Ruder laufen und eine Nachschlagsdiskussion in Gang kommt?

Stumpfe: Das glaube ich nicht. Ich glaube, daß die Arbeitnehmer in unseren Betrieben sehr genau wissen, daß ihre Einkommen im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahre über der Preisentwicklungsrate lagen.

ZEIT: In diesem Jahr sieht das aber anders aus

Stumpfe: Ja, weil die IG Metall einen Teil des zur Verfügung stehenden Geldes für Arbeitszeitverkürzungen verwenden wollte und deswegen ganz bewußt auf größere Lohnerhöhungen verzichtet hat.

ZEIT: Bei Opel ist inzwischen ein Nachschlag, den man Sonderzahlung nennt, vereinbart worden.