In dieser Woche stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) auf neue Jahreshöchstkurse und gleichzeitig auf den höchsten Stand seit dem Börsenkrach vom Herbst 1987. Ausschlaggebend dafür waren wieder einmal Kaufaufträge aus dem Ausland, vor allem aus London und aus der Schweiz. Aber es waren auch institutionelle Anleger aus dem Inland dabei, die sich bis zur Europawahl zurückgehalten hatten, jetzt aber in dem Ergebnis keinen Grund sehen, weiterhin in bezug auf deutsche Aktien Abstinenz zu üben.

Als Begründung für die Anlagekäufe wird angeführt, daß es nunmehr an der Zeit sei, auf die günstigen fundamentalen Daten der deutschen Wirtschaft zu reagieren. Dies um so mehr, als das renommierte Wall Street Journal dem deutschen Aktienmarkt für den Sommer 1989 Kursgewinne bis zu zehn Prozent voraussagt.

Daß unter diesen Umständen die international bekannten deutschen blue chips die Aufwärtsbewegung anführen, ist nicht verwunderlich. Überrascht hat allerdings der sprungartige Anstieg von Daimler, ein Unternehmen, das in jüngster Zeit Kratzer am bisher untadeligen Image bekommen hat. Sobald die ministerielle Genehmigung zur Übernahme von MBB vorliegt, heißt es, wird der Daimler-Kurs nochmals auf neue Höhen vorstoßen.

Vorreiter der neuerlichen Aufwärtsbewegung war Siemens. Der 1,5-Milliarden-Mark-Computerauftrag aus Moskau hat die Phantasie der Börsianer angeregt. Eine Rückkehr zur Zwölf-Mark-Dividende für 1988/89 gilt als sicher.

Kennzeichen für das gewandelte Börsenklima sind auch spekulative Käufe bei Börsenneueinführungen. So erschienen die Aktien der Honsel-Werke an ihrem ersten Notierungstag mit 302 Mark bei einem Zeichnungspreis von 240 Mark. Das wird den Start der nun folgenden Börsenneulinge erleichtern. Allerdings nur so lange, wie die Ausgabepreise für junge Aktien nicht wieder überreizt werden. K. W.