Und dann haben wir angerufen in Andernach, mittags um zwölf: "Das Büro von Oberstleutnant Ickenroth? Die haben jetzt Mittag." Wann die wieder da sind? "Viertel nach eins."

Die 75minütige Mittagspause räumte unseren vorletzten Zweifel an der Echtheit des Schreibens aus, und den letzten schließlich die Sekretärin des Oberstleutnants, die gleich sagte, sie wisse von dem Vorgang, sie habe den Brief getippt.

Nun stehen wir Journalisten, die wir ja zumeist nicht gedient haben, im Ruf, eher wehrkraftzersetzend eingestellt zu sein. Der Umstand aber, daß Herr Ickenroth für uns nicht zu sprechen war, da im Manöver, hat uns doch zu denken gegeben, und wir haben uns, zögernd noch, ein Herz gefaßt und beschlossen, seine Bitte keine Fehlbitte werden zu lassen. Wir wollen, von der Notwendigkeit der Landesverteidigung überzeugt, ihm sogar eine ganze Auswahl sowjetischer Rockmusik schicken und hoffen, dabei auch im Sinne unserer russischen Freunde zu handeln. Und da wir vermuten, daß in Andernach weiterhin Bedarf an kriegsgeeigneten Hervorbringungen östlicher Kultur besteht, lassen wir es uns nicht nehmen, an dieser Stelle ausnahmsweise unsere Leser zu bitten, ihre Schränke und Regale einmal auf für sie vielleicht wertlose, für die Bundeswehr aber noch brauchbare Platten und Bücher durchzusehen: Wer hat ein guterhaltenes Doppelalbum von Alla Pugatschowa, eine leicht abgegriffene Ausgabe von Tolstois "Krieg und Frieden?" (Könnten wir uns schön vorstellen als Sendereihe: "Am Morgen vorgelesen").

Bitte schicken an: PSV-Bataillon 850, Aktienstraße 87, 5470 Andernach 1. Ulrich Stock