Dem Leidenden zu einem „guten Tod“ zu verhelfen, dies heißt wörtlich Euthanasie – und meint zum einen die (aktive wie passive) Sterbehilfe, zum anderen die willentliche Herbeiführung des Todes eines schwer Leidenden, Kranken oder Schwerbehinderten durch medizinische Maßnahmen. Die Zulässigkeit aktiver Formen der Sterbehilfe oder gar Tötung wird in der Bundesrepublik juristisch verneint und moralisch weithin abgelehnt, zumal der Begriff Euthanasie von den Nationalsozialisten für den eugenisch begründeten Massenmord an behinderten Menschen mißbraucht wurde. Die folgenden Stellungnahmen einiger wortführender Institutionen zum Umgang mit Euthanasie dokumentieren die Probleme einer verantwortungsethischen Klärung:

  • Aus den „Richtlinien für die Sterbehilfe“ der Bundesärztekammer (seit 1979 gültig):

„Beim bewußtlosen oder sonst urteilsunfähigen Patienten sind die im wohlverstandenen Interesse des Kranken medizinisch erforderlichen Behandlungsmaßnahmen unter dem Gesichtspunkt einer Geschäftsführung ohne Auftrag durchzuführen. Hinweise auf den mutmaßlichen Willen des Patienten sind dabei zu berücksichtigen. Dem Patienten nahestehende Personen müssen angehört werden; rechtlich aber liegt die letzte Entscheidung beim Arzt, es sei denn, daß nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches ein Pfleger zu bestellen und dessen Einwilligung einzuholen ist... Beim Sterbenden, einem dem Tode nahe Erkrankten oder Verletzten, bei dem das Grundleiden mit infauster Prognose einen irreversiblen Verlauf genommen hat und der kein bewußtes und umweltbezogenes Leben mit eigener Persönlichkeitsgestaltung wird führen können, lindert der Arzt die Beschwerden. Er ist aber nicht verpflichtet, alle der Lebensverlängerung dienenden therapeutischen Möglichkeiten einzusetzen.“

  • Eine 1979 beschlossene „Resolution der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zur Behandlung Todkranker und Sterbender“ hält zwar grundsätzlich fest: „Ärztliches Wissen soll menschliches Leben erhalten und Leiden lindern“, führt aber im einzelnen aus: „Bei schweren angeborenen Mißbildungen Neugeborener darf eine Behandlung unterbleiben oder abgebrochen werden, wenn wegen schwerer Beeinträchtigung vitaler Funktionen offensichtlich keine Lebensfähigkeit besteht.“
  • Der Arbeitskreis „Kirche und Euthanasieprogramm“ der Evangelischen Kirche im Rheinland wies in einer Vorlage darauf hin, daß in der Nazi-Zeit Tötungshandlungen aufgrund entsprechender Einstellungen in der Bevölkerung möglich wurden – Einstellungen, die heute „weiter wirksam sind: Kranke und Behinderte erscheinen häufig nicht als menschliche Partner, sondern als Objekte für Forschung, Heilbehandlung, Pflege und Betreuung. Sie werden einseitig von ihrer Hilfsbedürftigkeit her verstanden und in ihrem vollem Menschsein verkannt... Der Mensch wird als unabhängig, vernünftig und zur Selbstverwirklichung fähig verstanden; tatsächliche Abhängigkeit, Einschränkung geistiger Fähigkeiten und Hilfsbedürftigkeit sollen nicht zum Menschsein gehören. Der Sinn des Lebens wird in Glück, Gesundheit, Leistung und Konsum gesehen, darum werden Krankheit, Schmerz, Leid und die Behinderung bei Leistung und Konsum verdrängt. Falsch verstandenes Mitleid führt dazu, die Tötung leidender Menschen als Erlösung zu rechtfertigen.“
  • Die Katholische Deutsche Bischofskonferenz formulierte 1975 unter der Uberschrift „Euthanasie ist nicht Sterbehilfe, sondern absichtliche Tötung“ folgende noch heute für sie gültige Stellungnahme: „Die Euthanasie, mag sie auch zunächst von einer irregeleiteten Barmherzigkeit motiviert sein, ist Ausdruck einer rein diesseitigen Einschätzung des Lebens und eine Absage an die jenseitige Begründung und Verankerung in Gott. Wenn aber der Wert des Lebens, auch des armseligsten Lebens, nicht mehr als in Gott begründet angesehen wird, wonach wird der Mensch dann beurteilt? ... Die Beweggründe für die Euthanasie sind nicht nur die Rücksichtnahme auf den unheilbar Kranken und seinen Willen, sondern auch die Überlegung, daß dieses Leben sinnlos und wertlos geworden sei. Damit aber wirft sich die Gesellschaft zum Richter darüber auf, was lebenswertes und was lebensunwertes Leben ist, eine Unterscheidung, die früher oder später das Leben selbst zerstört.“
  • Der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard sagte auf dem 5. Europäischen Kongreß für Humanes Sterben 1985 in Frankfurt unter anderem: „Ich glaube, daß die behandelnden Ärzte, das Team von Ärzten und Schwestern, die sich um einen Patienten bemühen, schließlich ein so enges Verhältnis zu diesem Patienten aufgebaut haben, sich so in den Patienten hineinversetzen können, daß sie genau wissen, wenn dieser Patient nicht mehr leben will. Deshalb wissen sie, daß das Leben dieses Patienten beendet ist... Heißt das Gott spielen? Es ist merkwürdig, daß man sagt, wir spielen Gott, wenn wir den Tod herbeiführen wollen. Wenn wir aber den Tod verhindern, spielen wir nicht Gott. Ist denn Gott nicht auch der letzte Richter, wenn wir den Tod verhindern? Sollten wir dann nicht auch sagen, es ist Gottes Wille, daß der Patient an einer Krankheit leidet, und es ist Gottes Wille, daß er stirbt? Natürlich spielt man auch Gott, wenn man ihm ein Antibiotikum verabreicht, um den Tod abzuwehren. Das Argument geht also in beide Richtungen, und ich glaube, es taugt nichts.“ Ha.