Über Millionen von Glasfasern sollen beim FOHMD genau die Bilder eingespielt werden, die der Pilot beim Flug in jeder Blickrichtung auch sehen würde! Jede Bewegung des Helms wird dafür mit Hilfe von Infrarot-Leuchtdioden exakt beobachtet. Sobald sich der Helm bewegt, wird ein neuer Bildbereich eingespielt. Dies löst allerdings ein Problem nicht: Wenn der Pilot zur Seite schaut, indem er nur den Augapfel bewegt, nicht aber den Kopf, dann reagiert das System nicht. Daher ist CAE dabei, einen "Augenverfolger" (eyetracker) zu entwickeln, eine Vorrichtung, mit der über schwache Laserstrahlen auch die Bewegungen der Pupille registriert werden. Die Fortschritte seien "erfolgversprechend", heißt es bei CAE.

In sechzehn Monaten soll der Prototyp eines Tiefflugsimulators fertig sein. "Damit kann ein Teil der Tiefflüge in den Simulator verlegt werden", verspricht Eckart H. Hinsehe, Koordinator des Tiefflug-Auftrages bei der deutschen CAE-Tochtergesellschaft in Stolberg bei Aachen. Daß in diesem Zeitraum ein Tiefflugsimulator gebaut werden kann, glauben auch Techniker von MBB. Der Luft- und Raumfahrtkonzern hatte sich – freilich mit einem anderen System – ebenfalls um den Tiefflug-Auftrag beworben, gegen CAE aber den kürzeren gezogen.

Die Bundeswehr will den Prototyp zunächst ein halbes Jahr testen und dann entscheiden, ob sie weitere Aufträge vergibt. Wie viele Tiefflüge künftig im Saale stattfinden können, will noch niemand sagen. Die Vorsicht ist angebracht, denn viele Fragen sind noch offen. So berichten US-Militärpiloten seit einiger Zeit von einer rätselhaften Simulatorkrankheit – einer Art motorischen Störung nach dem Training im Simulator. Viele Piloten, so die New York Times, können noch Stunden nach dem Training nicht Auto fahren, geschweige denn ein Flugzeug steuern. Experten vermuten, daß Abweichungen zwischen Bewegungs- und Sichtsimulation dahinterstecken. Die ungeheuren Bewegungskräfte der Militärfliegerei können – anders als im zivilen Bereich – nämlich nur angedeutet, nicht aber wirklich erzeugt werden. Dagegen wurde die Sichtsimulation in den letzten Jahren immer realitätsnaher. Der Pilot sieht im Simulator etwa, daß er im Sturzflug auf die Erde zurast, er fühlt es nur nicht.

In der Bundesrepublik wird den Meldungen über die Simulatorkrankheit weniger Beachtung geschenkt. Bei MBB wurde das Phänomen nach Angaben des Ingenieurs Günther Werner zwar schon beobachtet, doch eine verbesserte Abstimmung von Bewegungs- und Sichtsimulation konnte schon erreicht werden nachdem Verzögerungen korrigiert wurden. Bei den Tornado-Simulatoren der Bundeswehr hilft man sich zusätzlich mit aufblasbaren Kissen in Sitz und Anzug des Piloten. "Die Grenzen der Bewegungssimulation sind kein Problem", versichert Werner. In den USA gibt es dazu skeptische Stimmen. Die US-Army hat kürzlich die Finanzierung eines Forschungsprogrammes beschlossen, um den Ursachen der Simulatorkrankheit genau auf den Grund zu gehen.