Osteoporose

Von Annelies Furtmayr-Schuh

„Da flehen die Menschen die Götter an um Gesundheit und wissen nicht, daß sie die Macht darüber selbst besitzen.“ Demokrit

Männer holen auf. Der Knochenschwund ist nicht länger ein Frauenleiden. Zwar ist jede dritte Frau über fünfzig davon betroffen, doch auch fünf Prozent der Männer. Und im hohen Alter, jenseits des siebzigsten Lebensjahres, verschiebt sich das Geschlechterverhältnis bei diesem Leiden von eins zu acht auf eins zu zwei. Der für viele Menschen länger gewordene Lebensabend – im Jahre 2000 wird jeder vierte älter als sechzig Jahre alt sein –, wird durch Knochenschwund zum Siechtum.

Die Osteoporose mit dem gesteigerten Knochenabbau kann zu Knochenbrüchen führen, wenn nicht durch vorbeugende Maßnahmen der rasche Verfall des Skeletts gebremst wird. Derzeit leiden daran in der Bundesrepublik knapp vier Millionen Menschen. Jährlich brechen sich rund 50 000 von ihnen den Oberschenkelhals – etwa 32 000 Frauen und 18 000 Männer.

Wegen der ungleichen geschlechtlichen Verteilung der Krankheit vermuteten die Mediziner, daß die geringere Produktion von Östrogenen im Verlauf der Wechseljahre die Wurzel des Übels sei. Doch wie epidemiologische Studien zeigen, ist das nur die halbe Wahrheit. Osteoporose ist vielmehr die Folge langjähriger Mißwirtschaft im Knochenhaushalt. „Der Grundstein für den Knochenschwund kann bereits in der Kindheit gelegt sein – etwa durch falsche Ernährung oder Bewegungsmangel“, sagte Johann-Diederich Ringe, Direktor der Geriatrischen Klinik Leverkusen, auf dem 5. Internationalen Arbeitskreis für Osteoporose, der unlängst in Venedig tagte.

Das Skelett ist der große Mineralienspeicher des Körpers und enthält in Form des Minerals Apatit etwa ein Kilogramm Kalzium. Mit diesem Element müssen die Lebewesen, seit sie während ihrer Evolution vom Meerwasser „an Land gestiegen sind“, haushälterisch umgehen. So soll bei allen Säugetieren, zu denen auch der Mensch gehört, der Kalziumspiegel des Blutes nicht unter einen kritischen Wert absinken. Wie in einem Steinbruch „baggern“ Knochenzellen, die Osteoklasten, Knochenmineralien ab und Aufbaugeschwader von Osteoblasten „mauern“ neuen Knochen an. Fast 5 Prozent der Knochensubstanz unterliegen jährlich diesem Umbau.