Kurz vor dem Ziel gestoppt worden ist die Richtlinie zum grenzüberschreitenden Fernsehen. Die Europäische Gemeinschaft wollte damit den freien Sendefluß innerhalb ihrer Grenzen sichern und nebenbei den Einfluß der Amerikaner mindern, die mit ihren TV-Serien den europäischen Markt beherrschen. Alle Sender sollten verpflichtet werden, mehrheitlich europäische Produktionen auszustrahlen. Eine kulturell wenig sinnvolle Regelung, die den Vereinigten Staaten gratis das Stichwort Protektionismus liefert.

In erster Lesung gegen dänische, belgische und deutsche Stimmen von der Mehrheit im Ministerrat durchgesetzt, ist die Richtlinie unerwartet in der zweiten Runde zu Fall gekommen. Zwei neue Gegner fanden sich: Frankreich verbeugte sich vor der eigenen Film- und Fernsehlobby und kehrte zu der noch härteren Quotenforderung von sechzig Prozent Programmanteil für Eurofilme zurück. Die Niederlande dagegen bekamen plötzlich kalte Füße, weil die Quote bereits in ihrer harmloseren Version den Zorn Washingtons erregte. Denn das niederländische Unternehmen Philips möchte gerne in Amerika kassieren, wenn die US-Regierung Subventionen vergibt für eine eigene Technik des hochauflösenden Fernsehens. In Europa leiten die Niederländer maßgeblich dieses Projekt für Fernsehen in Kinoqualität. Auch jenseits des Atlantiks wollen sie dabeisein. Zudem brauchen die Europäer Hilfe gegen die japanische Konkurrenz den eigenen Fernsehstandard als Weltnorm durchzusetzen.

Zwei Gründe, den potentiellen Partner und Geldgeber in Übersee nicht zu provozieren. In Brüssel versicherten die Niederländer allerdings, dies habe absolut nichts mit ihrer plötzlichen Ablehnung der TV-Richtlinie zu tun. Vielleicht wollten sie nur demonstrieren, daß Protektionimus hochauflösende Wirkungen auf den eigenen Standpunkt hat, weil er über kurz oder lang den eigenen Interessen schadet. th