Volle Breitseite

ZEIT-Leser Günter Walter schrieb uns: „Bundeskanzler Helmut Kohl beurteilte am Tag nach der Nato-Gipfelkonferenz in einer Direktsendung des Fernsehens ausgerechnet den erzielten Abrüstungskompromiß als ‚Bombenerfolg‘. Gewiß wollte er damit das Ergebnis nur lobend hervorheben, vergriff sich aber in der Eile des Interviews im unseligen Militärjargon. In diesem Fall ein besonders peinlicher Ausrutscher. In unserer Umgangssprache werden noch allzu häufig Projekte ,in Angriff genommen‘, werden ‚mit vereinten Kräften‘ immer noch ‚Vorstöße unternommen‘, um das Ziel zu erreichen. Da wird Frontstellung bezogen’ und ,in vorderster Linie gekämpft‘, auch mal eine ‚geballte Ladung‘ angewandt. Da wird ,nachgestoßen‘ und ,Störfeuer gegeben’, vielleicht gar ‚ein schwereres Geschütz aufgefahren‘, um den ‚Gegner‘ endlich ,in die Bredouille zu bringen‘ und den ewigen ‚Grabengefechten‘ ein Ende zu bereiten. Vierzig Jahre Frieden. Wäre es nicht an der Zeit, ein wenig sorgfältiger mit dem Wort umzugehen?“

Anstand im Amt

Wie immer in Wahlkampfzeiten schicken Parteien Postwurfsendungen ins Haus. So auch in der letzten Woche in Stuttgart. Eine Wurfsendung der DVU: „An alle Haushalte – Auflage 27 Millionen“. Ebenfalls im Briefkasten ein kleiner Zettel des Postboten:

„Liebe Postkunden! Heute wurde von der Post eine Wurfsendung der rechtsradikalen DVU (Deutsche Volksunion) verteilt. Als Briefträger bin ich leider dazu gezwungen, diese Sendung zuzustellen. Die DVU steht nach eigenen Angaben der NPD sehr nahe. Ich möchte mich von den in dem Text aufgeführten pauschalen, unrichtigen und lügnerischen Behauptungen, mit denen gegen Ausländer/innen gehetzt wird, auf das schärfste distanzieren!“

No a Maß

Wies’n-Zeit ist alleweil in München. Jetzt zum Beispiel wurde ein Wettbewerb zur Ermittlung des Wies’n-Schlagers 1989 ausgeschrieben. Wie der Süddeutschen Zeitung zu entnehmen war, siegte ein griabiges Liedl mit dem Titel „München, i mog di“, dicht gefolgt von dem etwas weltläufigeren „I bin dahoam in Bayern“. Insgesamt vierzehn Interpreten variierten das Thema unter disziplinierter Verwendung weißblauer Basisbegriffe wie pfundig, sauba, pack’ mas, doschauher, zum Beispiel: „I sitz doo, an Maßkruag in da Haaand, oh yeah...“