Hilflos

Der Polizist im VI. Budapester Stadtbezirk war verwirrt. Vor der chinesischen Botschaft versammelten sich noch abends um zehn Uhr Mitglieder des oppositionellen Jugendverbandes FIDESZ, Fackeln wurden verteilt, Kerzen angezündet. War das nun eine Demonstration? Doch die war weder beantragt noch genehmigt. Der Polizist beschloß abzuwarten. Um halb elf kam Bewegung in die Menge: Joan Baez war direkt von einem Konzert zur Solidaritätsaktion geeilt. FIDESZ verlas eine Protesterklärung, Joan Baez intonierte Lieder: „We shall overcome ...“ War das nun eine Kundgebung? Der Polizist war selbst gerührt, doch wohl fühlte er sich nicht: Im Baum gegenüber der Botschaft behauptete ein Transparent weltgeschichtliche Kontinuität: „Adolf – Wissarionowitsch – Peng“.

Warnung von Reagan

Vor falschen Lehren aus Geschichte und Gegenwart warnt Ronald Reagan. Der ehemalige amerikanische Präsident weist zum Beispiel ebenso scharf wie sinnig auf die Unterschiede zwischen guten und schlechten Studenten, zwischen libertären und totalitären Protesten hin. Die Jugend von Peking habe 1989 „für Frieden und Demokratie gekämpft“, die jungen Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen in Berkeley/Kalifornien hingegen seien 1968 „von der kommunistischen Partei Amerikas“ gesteuert worden. Nach Reagans, im Frühstücksfernsehen präsentierter Interpretation forderten die kalifornischen Kriegsgegner „genau das, was die Menschen in China jetzt loswerden wollten“. Reagan, der vor 21 Jahren als Gouverneur von Kalifornien mit den Campus-Protesten haderte, kann seine Sicht der 68er-Bewegung nur zum Teil belegen – schließlich stützt er sich vor allem auf Polizei- und Geheimdienststudien, die bis heute unveröffentlicht blieben.

Auf der Flucht

Weltweit sind Menschen auf der Flucht. Doch inzwischen tritt neben jene dreizehn Millionen, die nach Angaben des Flüchtlings-Kommissars der Vereinten Nationen aufgrund von Verfolgung und Krieg ihre Heimat verließen, eine zweite, ständig wachsende Gruppe von Vertriebenen. „Umweltflüchtlinge“ nennt das amerikanische Worldwatch-Institute diese zehn Millionen meist armen Bauern, die ihre ausgelaugten Äcker zurücklassen. Für viele endet der elende Marsch in den Slums der Großstädte. Und es werden täglich mehr: Derzeit, schätzen die Experten in Washington, leben etwa 50 Millionen Afrikaner, Asiaten und Lateinamerikaner auf – und von – Böden, die in den nächsten Jahren unfruchtbar werden.

Akzent verschoben

In dem Artikel „Zwischen Reform und Ruin“ von Timothy Garton Ash ( DIE ZEIT vom 16. Juni 1989) hat sich durch die Übersetzung eine ungewollte Akzentverschiebung ergeben. Dort war die Rede davon, daß der Status Berlins „von Bonn und Westberlin immer mehr in Frage gestellt“ werde. Zutreffender wäre gewesen: „in Bonn und Westberlin“ – also nicht von der amtlichen Politik.