Es gehört zur Dialektik der europäischen Gipfel, daß sich trotz der schroffen Gegensätze am Ende nur Sieger zeigen. Eine Niederlage hat noch keiner der beteiligten Staats- und Regierungschefs eingestanden. Das ist verständlich, denn welcher Politiker möchte schon geschlagen heimkehren. Allen Erfolgsmeldungen zum Trotz blieb jedoch stets die Gewißheit: Wo zwölf Nationen eine gemeinsame Politik formulieren müssen, kann niemand ein eigenes Copyright anmelden. Auch am Madrider Kommuniqué haben alle mitgeschrieben.

Das Ergebnis entspricht dem europäischen Zwang zum Kompromiß. Verabschiedet wurde ein Fahrplan mit nicht sehr festen Zielen und vagen Zeitangaben. Wann die Idee der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wie verwirklicht, ob es in absehbarer Zeit ein EG-Zentralbankensystem und eine einheitliche Währung geben wird oder nicht, bleibt offen. Immerhin, das ehrgeizige Projekt ist offiziell auf den Weg gebracht worden.

Als schwierigstes Hindernis erweist sich nach wie vor der Widerstand gegen jeden nationalen Souveränitätsverlust. Margaret Thatcher hat sich in Madrid erneut zur Résistance bekannt. Sie lehnt den Machttransfer in Wirtschafts- und Währungsfragen nach Brüssel ebenso ab wie eine Sozial-Charta der Gemeinschaft. Der Ratspräsident Felipe González hat der Premierministerin barsche Worte ins Stammbuch geschrieben: „Ein gelähmtes Europa ist schlimmer als ein geteiltes.“ Die Drohung gilt. Mehr wirtschafts- und währungspolitische Zusammenarbeit ginge notfalls auch zu elft. D. B.