Guten Morgen“, meldete sich telephonisch bei Harrods ein Vorwitziger, der das feine Kaufhaus mal richtig auf die Probe stellen wollte. „Ich hätte gern einen Elefanten.“ – „Selbstverständlich“, war die Antwort, „hatten Sie an einen indischen oder einen afrikanischen gedacht?“

Mit dieser Geschichte illustriert die PR-Abteilung des Luxustempels an der Londoner Brompton Road gern, daß der Wahlspruch Omnia Omnibus ubique (Alles für jeden in alle Welt) ernstgenommen wird. Aber diesmal ging es nicht um Elefanten, sondern nur darum, daß es in London warm ist, sehr warm, 26 Grad. Was Harrods offenbar Kopfzerbrechen bereitet, wie einer Meldung des Daily Telegraph zu entnehmen war.

Also siebendreinull, einszweidreivier. „Harrods, guten Morgen.“ – „Ist es richtig, daß leichtbekleidete Kunden keinen Einlaß finden in Ihrem Geschäft?“ Mr. Michael Cole, Sprecher des Hauses, läßt die Telephonleitung mit der nasalsten Stimmlage vibrieren, die ihm zur Verfügung steht. „Ja, sehen Sie, Harrods hat immer schon eine Kleiderordnung gehabt. In den sechziger Jahren beispielsweise mochten wir nicht, daß Damen in unseren Restaurants in Hosen aßen.“

Keine Hosen? Mr. Cole schweigt eine Sekunde; vielleicht macht ihn die Rückbesinnung melancholisch? „Nun, jetzt ergab sich die Notwendigkeit, diese Kleiderordnung gewissermaßen neu zu definieren. Mit Prüderie hat das nichts zu tun. Also, nichts gegen Bermudas oder Tennis-Shorts oder kurze Hosen vom Schneider, verstehen Sie?“

Wir verstehen. Schließen die Augen und sehen vor uns: kurze Hosen, schlimm genug; aber auch die trägerlosen Tops, die nabelfreien Blüschen, die schenkelknappsten Röckchen. Mr. Cole scheint unsere Gedanken zu ahnen; er wird genauer. „Shorts, die so kurz sind, daß sie möglicherweise den guten Geschmack anderer beleidigen, oder auch Badeanzüge oder oben ohne – das geht nicht. Wenn man nach Ascot zum Pferderennen geht, zieht man sich ja auch entsprechend an, oder? Warum also nicht, wenn man im besten Geschäft der Welt einkauft? Es ist kühl bei uns, wir sind ja nicht am Strand von Brighton.“ Im übrigen, fährt Mr. Cole fort, habe die neue Kleiderordnung Harrods viele Briefe beschert. Er zitiert einen: „Danke! Das war an der Zeit. Sie haben meine volle Unterstützung. In der Hoffnung, daß Sie ein Beispiel gegeben haben...“

Aha, nun fügt es sich zusammen: Hier wird die längst fällige Anpassung eines britischen Symbols an kontinentale Kathedralen vollzogen. Jenes bedauerliche Mißverständnis, jeder Kunde sei überall König – hier werden ihm Grenzen gewiesen.

Vor etwas mehr als hundert Jahren übrigens – Harrods handelte bereits seit 1849 – brütete auch die Hitze über London, als jene Queen, die Victoria hieß, ihr goldenes Thronjubiläum feierte. Sie, die stets in Schwarz und knöchellang auftrat, haßte solche indiskreten Temperaturen, und so registriert sie nach der Aufwartung einer indischen Maharani halb neidisch, halb tadelnd in ihrem Tagebuch: „Keine Unterröcke!“