Von Richard Nixon

Die brutale Niederschlagung der prodemokratischen Bewegung durch die politische Führung Chinas hat die Welt erschüttert. Das Vorgehen am Tiananmen-Platz war zugleich furchtbar grausam und unglaublich dumm. Und die jüngsten Exekutionen von Studentenvertretern und Arbeitern haben den Abscheu im Westen nur noch verstärkt. Die Freunde Chinas fragen sich, wie rational ein Regime sein kann, das derart brutal handelt, trotz der Proteste westlicher Länder, deren Unterstützung China auch in Zukunft braucht, wenn es seine Wirtschaftsreform weiterführen will.

Zur Zeit scheint China einen Rückfall in die alte, fanatische, kommunistische Beton-Mentalität zu erfahren. Vor diesem Hintergrund fällt es denn auch schwer, sich darüber Gedanken zu machen, ob normale Beziehungen zu China in der nächsten Zeit im amerikanischen Interesse sind. Aber bevor die Bush-Administration sich zu Vergeltungsmaßnahmen entschließt, die das Regime Chinas wieder einmal im Westen praktisch isolieren würden, muß Washington überlegen, was auf längere Sicht auf dem Spiel steht – für Amerika wie für das chinesische Volk.

Gewiß wäre es populär und entspräche dem Empfinden der meisten Amerikaner, wenn wir auf die Ereignisse in China mit Strafmaßnahmen antworteten. Wir hätten dann alle das Gefühl, zu unseren Überzeugungen gestanden zu haben. Aber derartige Schritte hätten auf die chinesische Führung keinerlei Wirkung. Vielmehr würden die Chancen sowohl für Fortschritte in der Wirtschaft wie auch für spätere politische Reformen verschüttet. Das aber wäre nicht im Interesse des chinesischen Volkes, nicht in jenem der Hunderttausenden von Chinesen, die in China und überall auf der Welt für politische Reformen demonstriert haben. Und es wäre auch nicht im Interesse der Vereinigten Staaten. Wenn wir jetzt in unserer Empörung China wieder in den Machtschatten der Sowjetunion und in das repressive Wirtschaftssystem zurücktreiben, das Deng Xiaoping zu reformieren versuchte, dann wären jene, die in diesen Tagen in China für die Freiheit gestorben sind, umsonst gestorben.

Um herauszufinden, wie wir uns in Zukunft gegenüber China verhalten sollen, sollten wir zunächst einen Blick zurückwerfen.

Als ich 1972 China besuchte, erntete ich Kritik vom äußersten rechten Flügel und Lob vom äußersten linken Flügel des amerikanischen politischen Spektrums. Beides zu Unrecht. Die extreme Rechte meinte, ich hätte nun meine antikommunistischen Grundsätze verraten. Die extreme Linke beglückwünschte sich, daß ich diese Grundsätze nun über Bord geworfen hätte. Aber meine Entscheidung, nach China zu fahren, hatte nichts mit meiner Einstellung zum Kommunismus zu tun.

Der erste Grund meiner Reise lag in der sowjetischen Bedrohung. Die Sowjetunion und China unterstützten unsere Feinde in Nordvietnam. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: Nur die Sowjetunion, eine atomare Supermacht, war eine potentielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten, China dagegen nicht. Peking hatte