Unter ungewöhnlich hohen Umsätzen erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax) in der zurückliegenden Woche mehrfach einen neuen Jahreshöchststand. An den Käufen waren vor allem Ausländer beteiligt; inländische institutionelle Anleger realisierten teilweise Kursgewinne – und sitzen jetzt auf dem frei gewordenen Geld.

Das ist für den weiteren Börsenverlauf eine günstige Ausgangsposition, zumal die Liquidität der Anleger in den vergangenen Wochen noch durch Milliardenbeträge angereichert worden ist, die aus den Dividendenzahlungen großer Gesellschaften stammen.

Die Optimisten sind deshalb der Meinung, daß der in den zurückliegenden Tagen verlangsamte Kursaufschwung deutscher Aktien schon bald wieder an Fahrt gewinnen wird. Die Ansicht, wonach die feste Tendenz der Juni-Wochen nur „inszeniert“ worden ist, damit Fonds günstige Halbjahresergebnisse vorlegen können, wird von den Profis nicht geteilt, zumal die Performance auch ohne eventuelle Nachhilfe fast überall befriedigend ausgefallen ist.

Mit einem Anstieg der deutschen Aktienindices um zwölf bis vierzehn Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich die Lücke, die der Börsencrash im Oktober 1987 gerissen hat, fast wieder geschlossen. Bis zur Rückkehr auf den 1986 erreichten Nachkriegshöchststand fehlen allerdings noch rund zwanzig Prozent.

Obwohl sich die konjunkturelle Situation und die Unternehmensgewinne heute besser darstellen als auf dem Höhepunkt der längsten Nachkriegshausse im Jahre 1986, wagen nur wenige eine Rückkehr auf den früheren Gipfel vorauszusagen. Hauptsächlich deshalb nicht, weil die Zinssituation völlig anders als damals ist. Die Bundesbank hat keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit gelassen, der Geldentwertung mit ihren Mitteln, das heißt über den Zins, entgegenzutreten. Kein Wunder, wenn die Börsianer jeder Sitzung des Zentralbankrates mit Sorge entgegensehen.

Darunter leiden vor allem die Aktien der Banken und Versicherungen. Denn jede Zinsanhebung bedeutet niedrigere Rentenkurse und damit höhere Abschreibungen auf die überwiegend hohen Bestände festverzinslicher Papiere. Das ist auch der Grund, warum der Branchenindex der Banken in diesem Jahr nur um etwas mehr als vier Prozent zugelegt hat. K. W.