Von Anthony Lewis

CAMBRIDGE, MASS. – Die Intifada dauert nun schon achtzehn Monate, länger als irgend jemand es für möglich gehalten hätte. Damit haben die Palästinenser auf der Westbank und im Gaza-Streifen ihren nationalen Zusammenhalt und ihre Entschlossenheit demonstriert, sich von der israelischen Besetzung zu befreien.

Jetzt aber ist für die Palästinenser die Zeit gekommen, einen noch schwierigeren Schritt zu tun: Sie müssen den Vorschlag der israelischen Regierung aufgreifen, in der Westbank und im Gaza-Streifen Wahlen abzuhalten – auch wenn das heißt, daß sie ihren Aufstand Zunächst einstellen.

Das verlangt viel von der palästinensischen Führung. Ein solcher Schritt brächte erhebliche Risiken mit sich. Aber er muß gewagt werden, wenn die Chance für Verhandlungen nicht vertan werden soll.

Denn es gibt jetzt eine wirkliche Chance für die Diplomatie, die beste seit Menschengedenken. Aber sie könnte von der Woge aus Haß und Gewalt, die Israel und die besetzten Gebiete überflutet, im Keim ertränkt werden.

Die Kluft zwischen den Hoffnungen der Diplomaten und der bitteren Wirklichkeit wurde mir vor kurzem auf einer Konferenz von Israelis und Palästinensern drastisch deutlich. Die vertrauliche Zusammenkunft war von der Harvard-Universität einberufen worden. Unter den Teilnehmern waren namhafte Vertreter der PLO sowie Politiker und Akademiker aus dem gemäßigten Lager Israels. Vor einem Jahr noch wäre ein solches Treffen ein ungewöhnliches Ereignis gewesen. Inzwischen aber war der Dialog zwischen Israelis und Palästinensern für alle Beteiligten eine Selbstverständlichkeit geworden.

Dabei wurde offenbar, daß es durchaus Wege gibt, die wichtigsten Ziele der beiden Nationen in Einklang zu bringen: Sicherheit für Israel und eine eigene politische Identität für die Palästinenser. Verhandlungen geben Sinn – wenn sie nur endlich beginnen könnten.