Aber was geschah zur gleichen Zeit im Lande selbst? Da war nichts von Verhandlungsbereitschaft zu spüren, nur von wachsender Konfrontation. Israelische Siedler in der Westbank verwüsteten ein palästinensisches Dorf und töteten, als sie mit Maschinengewehren auf Häuser und Vieh schossen, ein vierzehnjähriges Mädchen. Sechs Siedler wurden von der israelischen Polizei festgenommen. Führende Armeeoffiziere erklärten, die Siedler seien zu einem beachtlichen Sicherheitsproblem geworden. Palästinenser töteten andere Palästinenser, weil diese angeblich mit Israel gemeinsame Sache gemacht hatten. Israels Versuch, den Aufstand durch das Militär niederzuwerfen, fordert jeden Tag neue Opfer. Die Zahl der seit Beginn der Intifada getöteten Palästinenser beträgt inzwischen mehr als 500.

Allmählich spitzt sich der Konflikt zu. Wie seinerzeit in Algerien, sagte mir General Ephraim Sneh während einer Konferenzpause. "Ich meine damit die Brutalisierung, die nackte Gewalt von Palästinensern gegen Palästinenser, die Gegenmaßnahmen der Siedler..."

Sneh war von 1985 bis 1987 Militärgouverneur der Westbank. Jetzt ist er pensioniert und in der israelischen Arbeiterpartei aktiv. Er formuliert vorsichtig und abwägend. Aber aus seinen Worten spricht eine Dringlichkeit, die der Verzweiflung nahekommt. "Mit jedem Tag, nicht mehr nur mit jeder Woche, wird alles schlimmer", sagt er. "An jedem Tag wächst die Mauer des Hasses um einen weiteren Stein. Wir müssen uns beeilen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."

Weil das so ist, bedarf es einer dramatischen Geste, um endlich Verhandlungen zu ermöglichen. Die Palästinenser werden fragen: Warum sollen wir diese Geste machen, wir sind doch die Schwächeren. Mit seinem Vorschlag, Wahlen in den besetzten Gebieten abzuhalten, will Ministerpräsident Schamir vielleicht nur Zeit gewinnen. Wenn wir zustimmen und unseren Aufstand einstellen, wird das so aussehen, als beugten wir uns dem Stärkeren. Und wir könnten zudem die politische Signalwirkung der letzten achtzehn Monate verspielen.

Die Antwort darauf: Die Palästinenser können den Weg zu Verhandlungen öffnen, und deshalb sollten sie es tun. Viele PLO-Führer wissen nur zu gut, daß sie die Israelis von ihrem Friedenswillen erst noch überzeugen müssen. Nichts würde dem mehr dienlicher sein als ein Ja der PLO zu Wahlen und als die Bereitschaft, die Intifada zu unterbrechen, um der Politik eine Chance zu geben – vorausgesetzt, die Wahlmodalitäten sind vorher abgesprochen.

Natürlich wäre das alles nicht einfach. Tatkräftige amerikanische Unterstützung wäre nötig, um deutlich zu machen, daß die Wahlen nicht Selbstzweck sind, sondern Teil des politischen Prozesses.

Aber möglich wäre es schon. Man stelle sich nur vor: Vertreter Israels und der Palästinenser aus der Westbank und dem Gaza-Streifen setzten sich zusammen, um gemeinsam zu beraten, wie die Wahlen abgehalten werden! Es würde die ganze Situation auf eine neue Grundlage stellen.

  • Anthony Lewis ist Kolumnist der New York Times.