Sechs Jahre nach der mit dem China-Besuch Richard Nixons eingeleiteten Öffnung des Landes proklamierte die Parteiführung offiziell den Reformkurs. In den folgenden zehn Jahren wurde dann die politische Linie stets aufs neue abgesteckt – auf einer Bahn, die zum einen durch den Führungsanspruch der Partei, zum andern durch den Druck von unten zur Verbesserung des Lebensstandards begrenzt wird. Nachfolgend die wichtigsten Etappen auf diesem Weg zwischen Angst und Hoffnung:

18. Dezember 1978: Deng Xiaoping, der erste Stellvertreter des Ministerpräsidenten Hua Guofeng, erklärt vor dem 3. Plenum des XI. Zentralkomitees der KPCh den Beginn einer neuen Ära: Künftig werde der Aufbau der Wirtschaft wichtiger sein als der Klassenkampf. Der 74jährige Deng unterstützt aus taktischen Gründen das Verlangen der chinesischen Jugend nach mehr Demokratie. Doch als er fest im Sattel sitzt, schreitet er gegen Liberalisierungstendenzen ein.

Juni 1981: Nachdem die Maoisten weitgehend entmachtet und die Hochverratsprozesse gegen die „Viererbande“ abgeschlossen sind, wird Deng zum Vorsitzenden der Militärkommission des ZK gewählt. Gemeinsam mit dem neuen Generalsekretär Zhao Ziyang verfolgt er die Politik ökonomischer Reformen.

Januar 1982: Die Bauern können nun einen Anteil Land von ihrer Produktionsgruppe pachten. In den folgenden Jahren steigen die Ernteerträge erheblich.

März 1982: In einer großangelegten Verwaltungsreform soll ein Viertel der 600 000 teils greisen Funktionäre aufs Altenteil geschickt werden. Freilich erlahmt diese Entbürokratisierungskampagne auf halbem Wege und kann erst drei Jahre später annähernd zu Ende geführt werden.

April 1982: Eine neue Verfassung wird veröffentlicht, die den geänderten Kurs sanktioniert.

März 1984: Nachdem schon 1979 vier Wirtschaftssonderzonen gegründet wurden, erhalten nun vierzehn Küstenstädte und die Insel Hainan Handelsfreiheiten, so etwa die Erlaubnis, selbständig Verträge mit dem Ausland zu schließen. Als dann aber der Schwarzhandel aufblüht, muß die Freizügigkeit wieder eingeschränkt werden, getreu Dengs Begriff der „Readjustierungspolitik“: zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Im selben Jahr unterzeichnen die Bundesrepublik und China Abkommen über die Zusammenarbeit in der zivilen Weltraumtechnik und der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Weitere Marksteine: die erste öffentliche Aktienplazierung, die erste Frauenzeitschrift und die Einführung eines Personalausweises.