Von Volker Hage

Im Jahre 1954 besuchte er Benn. „Endlich ein junger Dichter“, rief der aus, „der einen Beruf hat, der nicht gleich nach dem ersten Buch als freier Schriftsteller leben will und anderen zur Last fällt.“ Hans Bender war damals 35 Jahre alt, hatte seinen ersten Roman geschrieben („Eine Sache wie die Liebe“) und gerade – zusammen mit Walter Höllerer – eine Literaturzeitschrift gegründet. Für diese Zeitschrift mit Namen Akzente wollte Bender einen Text von Benn. Es war übrigens nicht Benders erste Zeitschrift: zwei Jahre zuvor hatte er im Alleingang die Konturen herausgebracht.

„Postkarten aus Rom“ heißt ein Band mit autobiographischen Texten, der pünktlich zum siebzigsten Geburtstag von Hans Bender am 1. Juli erschienen ist. Er hat den Band nicht selbst zusammengestellt. Bender ist ein bescheidener Mann, mit großem Respekt und Interesse zwar für „Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen, Autobiographien“, mit deutlicher Reserve jedoch, wenn er selbst aus seinem Leben berichten soll: „Nein, ich tue es nicht gern.“ Wo er dann doch Einblick gewährt, in einer Ansprache, einem Brief, einer Notiz, schreibt er – wie diese Sammlung beweist – mit souveräner Lakonik.

Der Beruf, von dem Benn damals sprach, war übrigens nicht Benders Herausgebertätigkeit. Bender, der erst kurz zuvor aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt war, hatte ein Kino gepachtet. Das war jedoch nur für den Übergang. Schnell zeigte sich, daß er ein Genie bei der Lenkung literarischer Verkehrsströme war, ja sie überhaupt erst in Gang setzte: Er sprach junge Dichter an, machte Mut, hielt den Kontakt zu den Alliierten, reiste, schrieb Briefe, verhalf zu Veröffentlichungen.

Auch Benn schickte ihm ein Gedicht, im Begleitbrief stand der Satz: „Literatur beruht auf Gegenseitigkeit.“ Bender fürchtet, Benn habe damit darauf angespielt, daß der Zeitschriftenredakteur dem berühmten Dichter auch Proben der eigenen Lyrik vorzulegen gewagt hatte, aber vielleicht ahnte er auch, daß sich dahinter eine wohlwollende Anerkennung dieser auf Vermittlung und Gespräch gegründeten literarischen Lebenshaltung verstecken mochte.

Er selbst hat während der Jahre als Herausgeber der Akzente (zuerst zusammen mit Höllerer, später mit Michael Krüger, bis Bender sich 1980 zurückzog) auch die Schattenseiten gespürt. Daß Bender bisher nur zwei Romane publiziert hat (1959 folgte dem Debüt der Roman „Wunschkost“), mag damit zu tun haben, daß er es mit seinen Redakteurspflichten sehr genau nahm.

Und auch, wer ihm Fragen zu seinen Erzählungen zu stellen hat, mit denen er als Schriftsteller vor allem bekannt geworden ist, kann mit ausführlicher Antwort rechnen. „Manchmal schreiben mir die Schüler Briefe und sie fragen mich, was ich ihnen zu meinen Geschichten und darüber hinaus zu sagen habe.“