Zuweilen wird die Absurdität einer Politik erst deutlich, wenn sie ein klein wenig verbessert werden soll. Die Bundesregierung will das Arbeitsverbot für Asylbewerber lockern, deren Antrag zwar abgelehnt wurde, die aber gleichwohl nicht aus der Bundesrepublik abgeschoben werden (können). Freilich, zu Vollmitgliedern unserer Arbeitsgesellschaft sollen sie nicht werden – nur Erntehelfer, und das auch nur für drei Monate.

Eine humanitäre Aktion? So kann Bonn die Sache kaum titulieren, sonst wäre das Arbeitsverbot als solches inhuman. Weil in der Landwirtschaft die (illegalen) polnischen Saisonarbeiter knapp werden? Dann hätte sich ja das den Polen abverlangte Fünfzig-Marks-Tagegeld schon rein agrarpolitisch als blödsinnig erwiesen. Jetzt muß das Arbeitsförderungsgesetz mühsam geändert werden, das Asylbewerbern eine fünfjährige Arbeitssperre auferlegt. Also hatte der Gesetzgeber selbst ein übermäßig langes Asylverfahren gesetzmäßig unterstellt. Und wer schreit jetzt am lautesten? Unsere Agrargewerkschafter! Lohndrücker, so heißt ihr Vorwurf. Und wer will das Arbeitsrecht total abschaffen? Die SPD, die es 1973 zusammen mit der FDP eingeführt hatte.

Weshalb das ganze Streit? Weil sich die Vorstellung, das Asylproblem sei gelöst, wenn wir den Flüchtlingen unsere guten deutschen Arbeitsplätze vorenthalten, als eitel erwiesen hat. Jetzt sollen sie wenigstens die schlechten bekommen, zeitweise.

R. L.