Schwerer Himmel, nasse Erde, kaltes Wasser. Das kleine Dorf in der Taiga liegt versteckt unter dem Faltenwurf der Historie. Die politischen Entwicklungen aus dem fernen Moskau spülen darüber hinweg. Manches bleibt hängen, anderes kommt erst verspätet an. Sommer 1953. Stalin ist tot, der allmächtige Geheimdienstchef Berija entmachtet. Nach der Generalamnestie ziehen Banden von Kriminellen durchs Land, verbreiten Angst und Schrecken. Auch in dem kleinen Dorf wird geraubt und gemordet. Bis zwei politische Häftlinge, die dort in der Verbannung leben, sich zur Wehr setzen. Ein Western aus der Taiga, ein sibirischer Eastern sozusagen, in dem sich alle Versatzstucke des Genres wiederfinden, durch Schwermut gefiltert. Die Politischen, für die die Amnestie von 1953 nicht galt, sind müde Helden, die ihre eigene verzweifelte Lethargie erst im Kampf für die anderen überwinden können. Geschickt verknüpft Alexander Proschkin privates Leid und politische Geschichte "Kalter Sommer 53" ist politische Fiktion, nach rückwärts gerichtet. Mit Geschichten werden jetzt langsam die Lücken der Geschichte ausgefüllt. So wird das Fiktive zur Errettung des Realen. "Claras Geheimnis" von Robert Mulligan Sommersprossen und dreadlocks, weiße Haut und schwarze, amerikanischer Upper Class Tonfall und jamaikanisches Patois, David, ein Junge, und Clara, eine Frau. In "Claras Geheimnis" richten sich die Gegensätze starr auf, und Robert Mulligan und sein Drehbuchautor Mark Medoff tun alles, um Inneres in Äußeres zu verwandeln. Claras Koffer voller Briefe an ihren toten Sohn enthält die Last der Vergangenheit, und Davids Angst vor der Zukunft hindert ihn daran, eine Boje schwimmend zu erreichen. Dann gerät die Starre in Bewegung, die Haushälterin und ihr Schützling tasten nach vielen Feindseligkeiten nacheinander "Claras Heart" arbeitet hemmungslos mit den Tricks des Genres, mit der Bilderpracht von Freddie Francis und David Grusins schwelgerischer Musik: ein Melodram, dessen Überperfektion von innen heraus den letzten Schliff erfährt. Whoopi Goldberg und Neu Patrick Harris spielen den sterilen Glanz auf jenes nur scheinbar nicht inszenierte Maß herunter, das ihn über sich selbst erhebt. Gregor Dotzauer