Und wenn die Front der Gewerkschaften gegen eine Lockerung des Ladenschlusses nun doch ins Wanken geriete? In Bremen und Rheinland-Pfalz schrieben die Tarifpartner vergangene Woche zwar fest, daß auch donnerstags, also am künftigen Dienstleistungsabend, die Arbeitszeit um 18.30 Uhr beendet sein soll. Doch das ist lediglich eine Protokollnotiz, kein Teil des noch auszuhandelnden Tarifvertrags. Vor allem aber läßt die Vereinbarung Ausnahmen zu, sobald die Wettbewerbssituation das erfordert.

Dies ist eine reichlich vage Generalklausel – doch das ist nicht unbedingt ein Schaden. Auch im Einzelhandel muß Flexibilität oberstes Gebot sein. Es gibt viele Geschäftsleute, die ihren Kunden den Service zumindest einer Abendöffnung aus Überzeugung bieten wollen, die sich zudem ein Geschäft davon versprechen. Da ist es nur logisch, daß die an den Tarifvertrag gebundenen Betriebe vom gleichen Recht profitieren können wie die nichtgebundenen. Mit ein bißchen Phantasie wird es ihnen gelingen, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter so zu organisieren, daß sie (über die Woche verteilt) nicht zunimmt.

Wenn die Gewerkschaften jetzt – mit welchen vorsichtigen Formeln auch immer – einräumen, daß sie dem Handel nicht die Hände binden können, dann wäre das ein Signal. Ein bescheidenes zwar, wie das ganze Unternehmen Dienstleistungsabend. Aber es bedeutete die Abkehr der Gewerkschaftsseite von der bisher gepflegten absurden Einstellung, den Einzelhandel primär als Veranstaltung zugunsten der Angestellten, aber nicht der Verbraucher zu betrachten. Ein Fortschritt, der Beifall verdient. smi