Für alle Verteidiger der Tempofreiheit auf unseren Autobahnen war die Ernennung Friedrich Zimmermanns zum Verkehrsminister ein Glücksfall. Ihre hochgespannten Erwartungen wurden, wie Zimmermanns jüngste Erklärungen zu diesem Thema erkennen lassen, auch nicht enttäuscht. Dabei konnte sich der neue Mitstreiter für die Tempofreiheit sogar auf allerneueste, unwiderlegbare Untersuchungen stützen: Sie beweisen klipp und klar, daß das Unfallrisiko bei hohem Tempo nicht etwa – wie von den Tempofreiheitsfeinden fälschlich behauptet wird – steigt, sondern sinkt. Demnach wären unsere Autobahnen am sichersten bei einem – radarbewachten – Mindesttempo 220. Nur so, wiesen ADAC-Verkehrspsychologen überzeugend nach, ließen sich auch schwere seelische Schaden bei temposüchtigen Autofahrern – manche sehen sich schon in den Fesseln quälender Limits von 130 oder gar 100 Kilometer pro Stunde schmachten – vermeiden.

Wo aber finden wir die Erzfeinde der Tempofreiheit? Natürlich – abschreckende Beispiele: Berlin, Frankfurt – unter den Rot/Grünen! Wenn die Union sich nicht von rechts überholen lassen und zugleich das Tempo drosseln will, mit dem ihre Anhänger auf die „Reps“ abfahren, muß sie rigoros auf Gegenkurs steuern und sich vorbehaltlos für die totale Tempofreiheit engagieren. Schließlich ist die Tempofreiheit das höchste Gut des deutschen Autofahrers, für das er sogar bereit wäre, den Tempofreiheitstod am Steuer zu sterben.

Selbstverständlich ist ihm auch das in der Französischen Revolution proklamierte Menschenrecht auf Tempofreiheit ein heiliges Vermächtnis. Andererseits bekümmert es ihn tief, daß, ausgerechnet im Lande der Tempofreiheitsstatue, Amerika, die Autofahrer sich unter das Joch von Tempo 83 (resp. 97) beugen müssen.

Mit solcher Tempofreiheitsberaubung müssen unsere Autofahrer, solange ein Friedrich Zimmermann am Steuer des Verkehrsministeriums sitzt, nicht rechnen. Stolz können sie sich aber auf ihren Friedrich Schiller, den Tempofreiheitsdichter, berufen, der im „Don Carlos“ seinen Marquis Posa dem König Philipp II. sein berühmtes „Sire, geben Sie Tempofreiheit!“ entgegenschleudern läßt.

Aus heutiger Sicht böte sich noch der ergänzende Wahl-Slogan an: „Trau keinem unter Tempo 150!“