Von Jürgen Gaulke

Natürlich seien die Geschäftsaussichten für die Anlage „sehr, sehr gut“, sagt Matthias Teller, Umweltschutzleiter bei der BC Berlin-Consult, und wundert sich ob der Naivität der Frage. Schon jetzt kämen viele Anfragen. Fünf bis zehn Anlagen für je 25 Millionen Mark könnte BC „in jedem Fall“ verkaufen.

Das gefragte Stück ist eine Pyrolyse-Anlage zur Entsorgung von Elektronik- und Computerschrott. „Für die Entsorgung dieses Abfalls gibt es noch keine maßgeschneiderte Lösung“, gibt Dieter Pautz, Referent für Metallrecycling im Umweltbundesamt, zu: „Es herrscht Ratlosigkeit.“ Immer noch stellen die Bürger ihre ausrangierten Fernseher und Computerterminals zum Sperrmüll an den Straßenrand oder werfen das alte Radio einfach in die Mülltonne.

Doch Elektronikschrott ist kein normaler Hausmüll, der in die Müllverbrennungsanlage wandern dürfte. Das liegt vor allem an dem verwendeten Kunststoff in Leiterplatten (Platinen) und Gehäusen. Dem Kunststoff werden flammhemmende Stoffe beigemischt, um die Brandgefahr zu mindern. Bei den oft hohen Betriebstemperaturen elektrischer Geräte könnte er sich sonst entzünden. Werden die elektronischen Bauteile dann aber in Müllverbrennungsanlagen verbrannt, werden hochgiftige bromierte Dioxine und Furane frei. Die Platinen bestehen meist aus Polyester, die aufgesetzten Chips teilweise aus Phenolharzen mit Flammschutzmitteln, und das Gehäuse enthält oft auch noch PVC, aus dem bei der Verbrennung ebenfalls Dioxine entstehen können.

Die Müllhalde von ausrangierten Elektronikgeräten und Computern wird immer größer: Mindestens 25 000 Tonnen Elektronikschrott und 6500 Tonnen Computerschrott fallen bereits jährlich an. Zum Elektronikschrott gehören heute die meisten strombetriebenen Geräte, aber auch alte Telephonanlagen. Dazu kommen noch rund 5000 Tonnen jährlich, die bei der Produktion der Leiterplatten entstehen. Diese elektronischen Bauteile werden inzwischen in fast allen Haushaltsgeräten vom Bügeleisen bis zur Waschmaschine und vom Staubsauger bis zum Mikrowellengerät verwandt. Das Umweltbundesamt schätzt allein die Steigerungsraten für den Schrottanfall von Computern auf fünf bis zehn Prozent pro Jahr.

Der Elektronikmüll ist aber nicht nur Gift, sondern auch Gold. In Legierungen der Schaltkreise auf den Leiterplatten werden erhebliche Mengen Edelmetall und Platin verwendet. Die Edelmetalle befinden sich in hauchdünnen Schichten an den elektrischen Kontakten, denn sie leiten bestens, sind verschleißfest und rosten nicht. Eine Tonne Platinenschrott enthält etwa ein Kilo Gold, sechs Kilo Silber, zwölf Kilo Aluminium, zwanzig Kilo Zinn sowie Kupfer und Nickel. Bei einem Kilopreis von rund 25 000 Mark allein für Gold lohnt sich das Recycling.

Ein ganzer Geschäftszweig blüht daher schon. Doch diese Unternehmen denken eher ans Gold denn ans Gift. Bisher wird meist mit naßchemischen Verfahren gearbeitet, vor allem bei kleineren Unternehmen. Diese Art des Recyclings ist allerdings „auf gut deutsch eine ziemliche Sauerei“, so Michael Braungart vom Hamburger EPEA-Umweltinstitut: Der Abfall wird mechanisch geschreddert, und dann werden die Metalle über Eektrolyse – also durch das Anlegen einer Spannung – herausgelöst. Der Rest wird einfach auf die Deponie gekippt.