Ein gutes Stück Verkehrspolitik, die noch von allen Bundesregierungen sträflich vernachlässigt worden ist, haben die Lufthansa und die Verwaltung des Flughafens Köln/Bonn jetzt geliefert. Um den Luftverkehr, der sich nach allen Prognosen bis zur Jahrtausendwende verdoppeln soll, auch in Zukunft zu bewältigen, plant die Lufthansa, den idyllischen Hauptstadt-Airport als neues Drehkreuz für ihre Europaflüge zu nutzen. Das ist mit relativ geringen Investitionen von gut einer halben Milliarde Mark möglich, weil eine auch für Großflugzeuge geeignete Piste und moderne technische Ausrüstung schon vorhanden sind. Was bisher fehlte, waren Passagiere: Mit 2,5 Millionen Fluggästen jährlich beträgt die Auslastung gerade 25 Prozent.

Neben besseren Erträgen für die Lufthansa bedeutet der Ausbau in Köln zwangsläufig, daß es von anderen deutschen Flughäfen weniger Direktflüge ins europäische Ausland geben wird. In Stuttgart und Hamburg beispielsweise wird sich darüber kaum jemand freuen. Den an ihren technischen Grenzen operierenden Airports Frankfurt und Düsseldorf bringt es willkommene Entspannung. Der neue Großflughafen München, von Lufthansa als zweites Zentrum zur Entlastung des ersten Zentrums Frankfurt gedacht, braucht dann nicht ganz so furios zu starten.

Eine richtig gute Entscheidung wäre der Ausbau von Köln/Bonn allerdings nur, wenn der Anschluß an das neue Hochgeschwindigkeitsnetz der Bundesbahn sichergestellt ist. Eigentlich gibt es für die strittige Trassenführung zwischen Köln und Frankfurt jetzt nur noch eine Möglichkeit: rechtsrheinisch. üth