Die Umweltsenatorin stoppt umstrittenen Forschungsreaktor

Von Wolfgang Hoffmann

Michaele Schreyer, grün-alternative Senatorin für Stadtentwicklung und Umweltschutz in Berlin, nutzt die Macht, die ihr im Koalitionsvertrag zugestanden wurde: Der Forschungsreaktor des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin darf vorerst nicht betrieben werden. Und nachdem sich das rot-grüne Bündnis in den ersten hundert Tagen gemeinsamer Politik stabilisiert hat, wird immer zweifelhafter, ob der Reaktor überhaupt je genehmigt wird. Das wäre dann das Ende des Hahn-Meitner-Instituts als eines von dreizehn Großforschungszentren der Republik.

Der Streit um den Forschungsmeiler des renommierten Instituts schwelt seit langem. Vor vier Jahren legte das Institut den seit 1973 betriebenen Reaktor zum weiteren Aus- und Umbau still. Nach Abschluß der Ausbauarbeiten für 170 Millionen Mark sollte er in diesem Sommer wieder angefahren und Anfang kommenden Jahres wissenschaftlich genutzt werden. Aber danach sieht es nun nicht mehr aus. Schon in der Umbauzeit bekämpften Bürgerinitiativen den Atommeiler mit einer Vehemenz, als sei die Berliner Bevölkerung unmittelbar von einem Super-Gau (größter anzunehmender Unfall) bedroht.

Dabei hat der Reaktor mit der Bezeichnung BER II mit Kernenergie so gut wie nichts zu tun. Auch ist bisher kein ernsthafter nuklearer Störfall bei diesem Typ von Forschungsreaktor bekannt geworden. Er ist ungleich ungefährlicher als alle herkömmlichen Kernkraftwerke. Der Versuchsmeiler braucht gerade ein Fünfhundertstel der Menge an spaltbarem Material, mit der ein Kernkraftwerk betrieben wird, und er liefert nur ein Vierhundertstel der Wärmeleistung.

Die Rechnung ging nicht auf

Die bei der Kettenreaktion erzeugte Wärme wird auch gar nicht benötigt, gebraucht wird nur die Neutronenstrahlung. Sie dient dem Institut für chemische Analysen und zur Erforschung der Lage und Bewegung von Atomen in bestimmten Materialien. Ziel der Arbeit mit dem Reaktor ist die Vertiefung der Kenntnisse über die Eigenschaften von Materie – reine Grundlagenforschung mithin. An dem Gerät sollen in- und ausländische Wissenschaftler arbeiten können, womit Berlin ein internationales Zentrum für Strukturforschung hätte.