Von Ingrid Eißele

Herr M. hat eine Einzimmerwohnung zu vermieten. „Zwölf Quadratmeter, Dusche, Heizung, Sanitär, im Gewerbegebiet“, zählt er am Telephon auf. Es ist das zweite Angebot, das auf unsere Kleinanzeige („1-Zi.-Wohnung von Gärtnereiarbeiter gesucht“) antwortet. Eine Belohnung kann der junge Mann, für den wir eine Unterkunft suchen, nicht zahlen, besondere Pluspunkte hat er nicht vorzuweisen. Er stammt aus Pakistan, hat gerade seine Anerkennung als Asylberechtigter bekommen und sucht jetzt, nachdem er eine Arbeit gefunden hat, nach einer Wohnung.

Was für eine Miete er sich denn vorstellt? Herr M. weiß es nocht nicht genau, aber über 300 Mark bestimmt, „bis 350 Mark. Es ist immerhin möbliert“, entgegnet Herr M. etwas pikiert auf die Frage, ob zwanzig Mark pro Quadratmeter nicht etwas viel sind.

Besichtigungstermin in Beinstein, Gewerbegebiet. Die Adresse, ein Wohn- und Firmengebäude, macht von außen einen gediegenen Eindruck. Davor ein gepflegter großer Rasen und Ziersträucher. Herr M. öffnet persönlich auf das Klingeln – ein Mann um die Siebzig, ergrauter Schnurrbart, etwas gebeugt.

Die Wohnung soll im Erdgeschoß liegen, doch dann bittet der Vermieter überraschend zwei Treppen tiefer in den Keller. Im niedrigen Heizungsraum werden gerade Boden und Wände mit grauen Fliesen ausgelegt. Neben der großen Ölheizung steht schon die Duschwanne, zwei Waschbecken lagern draußen auf dem Flur. Kostet alles eine Menge Geld, sagt Herr M. Einen Partyraum draus zu machen, wie ihm seine Tochter empfohlen hatte, wäre sicher billiger gewesen. Gewinn mache er durch die Vermietung nicht. Aber nachdem er verschiedene Anfragen bekam nach Wohnraum – auch Arbeiter bei Daimler-Benz seien interessiert – hat er sich’s anders überlegt. „Haben Sie schon mal von der Wohnungsnot in Stuttgart gehört?“ fragt Herr M.

Er führt in den hinteren Teil des Heizungskellers, wo es etwas duster ist. Hier will der Hausherr die Toilette unterbringen und eventuell noch eine Kochgelegenheit. Ob dieser Dusch-, Toiletten- und Kochraum dann nur für unseren Mieter alleine wäre? „Aber nein“, sagt Herr M., „das ist für alle Mieter hier unten; vor die Dusche soll natürlichjioch eine Abtrennung kommen.“

Zwei Zimmer, sagt Herr M., seien schon „so gut wie“ vermietet. Wir möchten wissen, wer die anderen Mieter sind – schließlich lebt man hier auf engstem Raum und muß sich verstehen. Nein, keine Ausländer, er nehme eigentlich keine Ausländer, entgegnet Herr M. und läßt offen, warum er in unserem Fall offensichtlich ein Ausnahme machen will. Vermutlich ist es nicht einfach, Kellerräume ohne eigenen Zugang, mit einem einzigen Gemeinschaftsklo, einer gemeinsamen Dusche und einer Kochgelegenheit für drei Mietparteien an Deutsche zu vermieten.