Köln: „Meisterblätter der Sammlung Josef Haubrich“

Über die entarteten Zeitläufte bewahrt, um sie 1946 der zertrümmerten Vaterstadt als Grundstock einer Abteilung moderner Kunst zu schenken: Werke des Postimpressionismus, Expressionismus, Neorealismus und der Abstraktion aus der Sammlung Josef Haubrich. Streitbilder waren sie alle im braunen Reich – vor der Gestapo hatte der Aufkäufer des Verpönten seinen Karl Hofer zu Charles französisiert. Zum hundertsten Geburtstag des Stifters und Kölner Ratsherren werden nun 250 Arbeiten auf Papier gezeigt, wenig Druckgraphik – dem Unikat galt die Liebe, Zeichnung und Aquarell, geistreiche kleine Schwestern der Diva Ölmalerei. Hohe Qualität macht den Rundgang durch diese Ausstellung zum Vergnügen. Frei vom Anspruchsniveau der großen Namen strafen jedoch die kleineren Meister, zumeist rheinischer Provenienz, jeden Snobismus Lügen. Haubrichs Herz schlug im Takt der menschlichen Komödie. Gefangen im Bestiarium der Großstadt (Berlin unter dem geißelnden Federstrich eines Dix, Grosz oder Zille), eingebettet in Natur (glühend, wie Nolde sie sah), pastoral (wie ein Heckel und Pechstein sie empfanden), umzäunt von spitzgotischen Fichten (eines Kirchner und Max Ernst) erscheint das Weib: Harfen – jule, Zirkusakrobatin und Zigeunerin. Akte von Archipenko bis Pascin passieren Revue, jeder Aspekt der conditio femina fesselte den Mann im Zylinder, den Greferath portraitierte und den Chargesheimer in die expressive Schwarzweißpolarität von Sucht und Sehertum bannte. (Museum Ludwig bis zum 2. Juli; Katalog 38 Mark)

Ursula Voß