MANAGER UND MÄRKTE

Werner Niefer, Automobil-Chef im neugegliederten Daimler-Benz-Konzern, hat es schon immer gesagt: Qualität kann man nicht in Autos "hineinprüfen", sondern nur bei der Konstruktion, beim Einkauf und schließlich bei der Herstellung "hineinbauen". Weltweit üblich in der Branche ist denn auch, daß die Verantwortung für die Qualität aufgeteilt wird auf die Vorstände, die den entscheidenden direkten Einfluß darauf haben.

Genau das will nun auch Volkswagen nachholen. Bisher ist Claus Borgward, Sohn des legendären Bremer Autofabrikanten der Nachkriegszeit, im VW-Vorstand zuständig für die Qualitätssicherung, Sein Vertrag, der im kommenden Jahr ausläuft, soll nach dem Willen von VW-Chef Carl Hahn nicht verlängert, der Posten ersatzlos gestrichen werden.

Die meisten der rund 7000 Borgward-Mitarbeiter kommen zum Produktionschef Günter Hartwich. Daneben werden der oberste Entwickler Ulrich Seifert und der noch zu ernennende künftige Logistik-Boß Daniel Goeudevert die neuen Qualitäts-Apostel bei VW. Ex-Ford-Chef Goeudevert übernimmt den Posten von Horst Münzner, der aus Altersgründen ausscheidet.

Jetzt sind wir wieder, wir", hatte Peter Tamm, Vorstandschef des Springer Verlags, aufatmend konstatiert, als die Erbengemeinschaft im April vergangenen Jahres die Aktienmehrheit am Verlag zurückerworben hatte. Damals hatten die Testamentsvollstrecker sich geschworen, nicht wieder zuzulassen, daß das Unternehmen unter fremden Einfluß gerate. Daß sich nun die italienische Monti-Gruppe mit zehn Prozent an der Springer AG beteiligt, ist da kein Widerspruch. Die Springer-Erben, unter Führung der Witwe des Gründers, Friede Springer, geben dieses Paket zwar aus ihrem Anteil ab, der nun nur noch 40,1 Prozent beträgt. Zugleich aber schlossen die neuen Partner einen Poolvertrag, so daß die Stimmenmehrheit bei Springer erhalten bleibt. Auf der Hauptversammlung, am 26. Juli, soll Andrea Riffeser, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Poligrafici Editoriale, an der Monti die Mehrheit hält, in den Springer-Aufsichtsrat gewählt werden. F. Wilhelm Christians, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wird den Aufsichtsrat verlassen.

Im Gegenzug hat sich auch Springer an der italienischen Verlagsgruppe Poligrafici Editoriale, beteiligt. Mit diesem Pakt wollen sich beide Firmen für die zunehmende Internationalisierung der Medienmärkte rüsten. Die italienische Verlagsgruppe gibt fünf große Regionalzeitungen heraus, verfügt über Druckereien und mehrere Radiostationen.

Die frische Verlags-Liaison zwischen Springer und der italienischen Monti -Gruppe weist – als gewiß nicht unerwünschten Nebeneffekt – zugleich einen anderen Großaktionär bei Springer klar in die Schranken: den Münchner Filmhändler Leo Kirch. Er hatte, noch mit dem Segen von Axel Springer, zehn Prozent an der AG erworben. Doch ein Platz im Aufsichtsrat wurde ihm nie eingeräumt. Die weiteren sechzehn Prozent, über die Kirch über Treuhänder verfügt, sind bei Springer indes nie annonciert worden. Sie wären vom Vorstand allerdings auch nicht ins Aktienbuch eingetragen worden. Der überraschende Pakt zwischen Kirch und den Burda-Brüdern Franz und Frieder im vergangenen Jahr hatte Vorstand und Springer-Erben zu sehr geschockt. Zudem hatte man wohl doch die Macht im Hause behalten wollen.

So sind aus den einstigen Verbündeten längst heftige Gegner geworden. Der nächste Konflikt bahnt sich nun bei dem Privat-TV-Sender Sat 1 an, bei dem Kirch gemeinsam mit der Deutschen Genossenschaftsbank mit 43 Prozent und Springer – direkt und indirekt – mit 19 Prozent beteiligt ist. Springer beklagt die Programmeinfalt bei Sat 1 und macht dafür vor allem Kirch verantwortlich, der den Sender mit alten TV-Serien und Spielfilmen aus seinem Fundus beliefert. Inzwischen baut Springer selbst über seine neue Firma Capitol Film – TV einen Film- und Serienstock auf. Springer möchte das Programmangebot erweitern – der Konflikt mit Kirch steht anscheinend bald bevor.

MANAGER UND MÄRKTE

Einen "kräftigen Nachfrageschub" erwartet der ADAC mit Beginn der Reisezeit für die "preiswerteste Kreditkarte in der Bundesrepublik": die ADAC-Visa-Karte. Bei den Vertragspartnern des Automobilclubs aus dem Bankgewerbe, der Berliner Bank und der Stuttgarter Landesgirokasse, dürfte sich die Freude über die Kartenflut dagegen in Grenzen halten. Denn das Geschäft kostet mehr Geld als erwartet. Auf der Einnahmeseite verbuchen die beiden Banken den Kartenpreis von 45 Mark und eine am Umsatz pro Karte (derzeit rund 3700 Mark im Jahr) orientierte Provision von 37 Mark, zusammen also 82 Mark. Dem stehen Kosten für die Abwicklung des Kartengeschäfts von 113 Mark pro Karte und Jahr gegenüber. Den von vornherein kalkulierten Verlust von gut dreißig Mark pro Karte sahen die Bankmanager gewissermaßen als Investition für die Zukunft, als Kosten des Zugangs zum Kreditkartenmarkt an.

Doch da haben die beiden Banken die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht. Denn, abweichend von einem Gentlemen’s Agreement im deutschen Kreditgewerbe, verlangen Banken und Sparkassen nun Gebühren für Bankauskünfte, die die Berliner und die Stuttgarter für ADAC-Karteninhaber einholen müssen, die nicht zugleich Kunden der beiden Institute sind.

Das ist teuer, denn die Konkurrenz verlangt dafür die üblichen Sätze zwischen 20 und 35 Mark pro Bankauskunft. Unterm Strich müssen Berliner Bank und Landesgirokasse bei den meisten Karten also Beträge zwischen 51 und 66 Mark zuschießen. Bei derzeit über 55 000 eingegangenen Kartenanträgen, kalkulieren Branchenkenner, "geht der Zuschuß in die Millionen".

Diese Zahlen scheinen auch Heinrich Frick verschreckt zu haben. Der Chef der Bremer Sparkasse ließ jetzt durchblicken, daß sein Institut vom geplanten Einstieg ins Visa-Geschäft "Abstand genommen" habe. Judith Reicherzer