Einen "kräftigen Nachfrageschub" erwartet der ADAC mit Beginn der Reisezeit für die "preiswerteste Kreditkarte in der Bundesrepublik": die ADAC-Visa-Karte. Bei den Vertragspartnern des Automobilclubs aus dem Bankgewerbe, der Berliner Bank und der Stuttgarter Landesgirokasse, dürfte sich die Freude über die Kartenflut dagegen in Grenzen halten. Denn das Geschäft kostet mehr Geld als erwartet. Auf der Einnahmeseite verbuchen die beiden Banken den Kartenpreis von 45 Mark und eine am Umsatz pro Karte (derzeit rund 3700 Mark im Jahr) orientierte Provision von 37 Mark, zusammen also 82 Mark. Dem stehen Kosten für die Abwicklung des Kartengeschäfts von 113 Mark pro Karte und Jahr gegenüber. Den von vornherein kalkulierten Verlust von gut dreißig Mark pro Karte sahen die Bankmanager gewissermaßen als Investition für die Zukunft, als Kosten des Zugangs zum Kreditkartenmarkt an.

Doch da haben die beiden Banken die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht. Denn, abweichend von einem Gentlemen’s Agreement im deutschen Kreditgewerbe, verlangen Banken und Sparkassen nun Gebühren für Bankauskünfte, die die Berliner und die Stuttgarter für ADAC-Karteninhaber einholen müssen, die nicht zugleich Kunden der beiden Institute sind.

Das ist teuer, denn die Konkurrenz verlangt dafür die üblichen Sätze zwischen 20 und 35 Mark pro Bankauskunft. Unterm Strich müssen Berliner Bank und Landesgirokasse bei den meisten Karten also Beträge zwischen 51 und 66 Mark zuschießen. Bei derzeit über 55 000 eingegangenen Kartenanträgen, kalkulieren Branchenkenner, "geht der Zuschuß in die Millionen".

Diese Zahlen scheinen auch Heinrich Frick verschreckt zu haben. Der Chef der Bremer Sparkasse ließ jetzt durchblicken, daß sein Institut vom geplanten Einstieg ins Visa-Geschäft "Abstand genommen" habe. Judith Reicherzer